Sonntag 9 Safar 1442 - 27 September 2020
German

Die Erläuterung der Basmala (Bismillahir-Rahmanir-Rahim) und das Urteil darüber, damit die Rezitation zu beginnen.

Frage

Was ist die Bedeutung der Basmala (Bisnillahir-Rahmanir-Rahim), beginnt man mit ihr die Rezitation innerhalb einer Sura? Und was bedeutet „Iqra bismi rabikka“? [al-‘Alaq 96:1]

Inhalt der Antwort

Alles Lob gebührt Allah..

Die Worte „Bismillah“ (Mit dem Namen Allahs) bevor man eine Tat verrichtet bedeuten:

Ich beginne diese Handlung und ersuche dabei mit dem Namen Allahs (Bismi-llah) die Hilfe von Allah und Seinen Segen. Und Allah ist der Besitzer der Göttlichkeit, der die vollkommene Liebe verdient und Der es einzig und alleine verdient, angebetet zu werden. Ihm wenden sich die Herzen in Liebe, Verehrung und Gehorsam (Anbetung / ˈIbadah) zu. Und Er ist der Allerbarmer (Ar-Rahman), der Besitzer der allumfassenden Barmherzigkeit. Und Er ist der Barmherzige (Ar-Rahim), Der Seine Barmherzigkeit Seiner Schöpfung zukommen lässt.

Es wurde auch gesagt, dass es dies bedeutet: Ich beginne die Taten mit der Nennung Allahs Namen und in Seinem Gedenken (Erwähnung).

Imam Ibn Jarir -möge Allah ihm barmherzig sein- sagte: „Allah -erhaben ist Er- , geheiligt sind Seine Namen und Seine Erwähnung, hat Seinen Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- gelehrt, Seine Namen (die die schönsten sind) vor jeder Handlung und Tat zu erwähnen, und Er ordnete ihm an, Ihn damit bei seinen Anflehungen (Bittgebeten und seinem Wenden an Allah) zu beschreiben, und ließ dies durch ihn zu einer Sunnah und Praxis werden, an die sich die gesamte Schöpfung hält, zu Beginn ihrer Ansprachen, Reden, ihrer Briefe und Bücher, so dass die offenkundige Bedeutung dieser Worte „Bismi-llah“ jedem klar ist und das Inbegriffene nicht erläutert bzw. ausgesprochen werden muss.“

Es gibt in dem Begriff „Bismi-llah“ eine inbegriffene Bedeutung (die ausgelassen wurde), bevor man eine Handlung damit beginnt, und zwar „Ich beginne meine Handlung mit dem Namen Allahs“, wie „Im Namen Allah lese ich“, Im Namen Allahs schreibe ich“, „Im Namen Allahs reite ich“ etc., oder „Mein Beginn ist im Namen Allahs“, Mein Reiten ist im Namen Allahs“, „Meine Lesung ist im Namen Allahs“ usw. Dabei kann man den Namen Allah am Satzanfang oder am Satzende erwähnen (sich denken), wobei es besser ist, diesen zu Beginn zu erwähnen um den Segensersuch vollständiger zu machen. Außerdem sagt man damit aus, dass man es ausschließt im Namen eines anderen etwas zu tun.

Der Ausdruck der Majestät und Erhabenheit „Allah“ ist der gewaltigste Name Allahs, der keine weitere Erklärung braucht und allbekannt ist. Dieser Name gehört einzig dem Schöpfer und niemandem sonst. Die korrekte Ansicht, dass dieser Namen von dem Wort „Ilah“ abgeleitet ist, was Gottheit bedeutet bzw. das Angebetete, was bedeutet, dass Er der einzige Besitzer der Göttlichkeit ist und es als einzig und alleine verdient, angebetet zu werden.

Ar-Rahman (Der Allerbarmer) ist einer der Namen Allahs und gehört Ihm einzig und allein. Der Name beschreibt den Besitzer der absoluten und allumfassenden Barmherzigkeit. Der Name Ar-Rahman ist nach dem Namen „Allah“ der speziellste Name Allahs, sowie die Eigenschaft der Allbarmherzigkeit die speziellste Seiner Eigenschaften ist, weswegen sie oft direkt nach der Erwähnung des Namens der Majestät und Erhabenheit (Allah) kommt, wie in Seiner -erhaben ist Er- Aussage: „Sag: Ruft Allah oder ruft den Allerbarmer(Ar-Rahman) an; welchen ihr auch ruft, Sein sind die schönsten Namen.“ (Al-Isra 17:110)

Ar-Rahim (der Barmherzige) ist einer der Namen Allahs und beschreibt Denjenigen, Der Seine Barmherzigkeit wem Er will von Seiner Schöpfung zukommen lässt.

Ibn Al-Qayyim -möge Allah ihm barmherzig sein- sagte: „Ar-Rahman (der Allerbarmer) weist auf seine allwährende, allbeständige Eigenschaft der Barmherzigkeit hin -erhaben ist Er-. Und Ar-Rahim (der Barmherzige) weist auf die Beziehung der Barmherzigkeit zu denjenigen, derer sich erbarmt wird. So ist das Erstgenannte (Al-Rahman) an die Beschreibung bzw. Eigenschaft gebunden und das Zweitgenannte (Ar-Rahim) an die Tat. Der erste Begriff zeigt, dass die Barmherzigkeit Seine Eigenschaft ist, und der zweite Begriff zeigt, dass Er Sich seiner Schöpfung erbarmt. Wenn du das besser verstehen willst, denke über die folgenden Worte nach: „…und Er ist zu den Gläubigen Barmherzig (Rahim).“ und „Er ist zu ihnen Gnädig und Barmherzig (Rahim)“. Es wird an keiner Stelle „Rahman“ erwähnt (Allbarmherzig), daher wird klar, dass „Rahman“ derjenige ist, dem die Barmherzigkeit (Rahmah) innewohnt bzw. damit beschrieben ist, und „Rahim“ ist derjenige, der seine Barmherzigkeit  anderen zukommen lässt.“ [Ende des Zitats aus „Badaiˈu Al-Fawaid“ (1/24)]

Zweitens:

Was das Urteil bezüglich der Erwähnung der Basmala vor der Lesung / Rezitation es Korans anbelangt, so gibt es diesbezüglich vier Situationen:

Erste Situation: Das Erwähnen der Basmala (Bismillahir-Rahmanir-Rahim) zu Beginn einer jeden Sura, ausgenommen der Sura „At-Taubah“. Viele der Gelehrten haben ausgesagt, dass das Erwähnen der Basmala am Anfang jeder Sura im Gebet und zu anderer Gelegenheit erwünscht (Mustahab) ist, und dass man darauf achten sollte. Einige Gelehrten waren sogar der Ansicht, dass die Beendigung der Lesung bzw. Rezitation des kompletten Korans unvollständig ist, wenn die Basmala nicht am Anfang jeder Sura, außer „At-Taubah“, erwähnt wurde. Und als Imam Ahmad -möge Allah ihm barmherzig sein-  bezüglich der Erwähnung der Basmala am Anfang jeder Sura gefragt wurde, sagte er: „Es sollte nicht ausgelassen werden.“

Zweite Situation: Das Erwähnen der Basmalah innerhalb einer Sura bzw. wenn man innerhalb der Sura mit der Rezitation beginnt, was hier der Gegenstand der Frage war.  Die meisten Gelehrten sowie die Meister der Rezitatoren sind der Ansicht, dass dagegen nichts einzuwenden ist, damit zu beginnen. Nachdem Imam Ahmed -möge Allah ihm barmherzig sein- die erwähnte Antwort gab, wurde er auch noch danach gefragt, ob man sie (die Basmala) nach dem Beginn der Sura (also im Laufe der Sura) rezitieren sollte. Er sagte: „Kein Problem.“

Al-ˈAbadi überlieferte von Imam Asch-Schafiˈi -möge Allah ihm barmherzig sein- das Erwünscht-Sein, der Rezitation der Basmala innerhalb einer Sura.

Die Gelehrten der Rezitationsarten sagten: Sicher ist, dass die Basmala (innerhalb einer Sura) vor einem Vers rezitiert werden sollte, in dem das Personalpronomen auf Allah zurückzuführen ist, wie in den folgenden Versen: „Ihm ist das Wissen um die Stunde vorbehalten. Keine Früchte kommen aus ihren Hüllen hervor und kein weibliches Wesen wird schwanger und kommt nieder, außer mit Seinem Wissen…“ (Fussilat 41:47)

„Und Er ist es, Der Gärten mit Spalieren und ohne Spaliere entstehen lässt, sowie Palmen und (sonstige) Pflanzen mit unterschiedlichen Erntesorten und Öl- und Granatapfelbäume, die einander ähnlich und unähnlich sind…“ (Al-Anˈam 6:140)

Wenn man vor diesen Versen nicht die Basmala (Bismilahir-Rahmanir-Rahim) erwähnen würde und davor die Zuflucht vor dem Satan ersucht wird mit der Istiˈadha (Aˈudhu billahi minasch-Schaytanir-Rajim), so würde man das Personalpronomen in den erwähnten Versen auf den Satan zurückführen (sprich ihm zuschreiben, die Schöpfung erschaffen zu haben etc.)

Dritte Situation: Das Erwähnen der Basmala am Anfang der Sura „At-Taubah“. Es gibt so gut wie keinen Meinungsunterschied unter den Gelehrten und Meistern der Lesearten, dass dies hierbei verpönt ist.

Salih überlieferte von seinem Vater Imam Ahmad -möge Allah ihm barmherzig sein-: „Ich fragte ihn bezüglich der Suren Al-Anfal und At-Taubah, ob es erlaubt ist, dass man die beiden mit der Basmala verbindet. Mein Vater antwortete: „Was den Koran anbelangt, so bleiben wir da stehen, bei dem sich die Prophetengefährten -möge Allah zufrieden mit ihnen sein- einig waren und weder lassen wir was aus noch fügen wir etwas hinzu.“

Vierte Situation: Das Erwähnen der Basmala innerhalb der Sura At-Taubah. Die Meister der Koranrezitation sind sich diesbezüglich nicht einig, wie es Ibn Hajar Al-Hajthami in „Al-Fatawa Al-Fiqhiyyah“ (1/52) erwähnte, dass As-Sakhawi, einer der Großmeister (Imame) der Rezitatoren sagte, dass es keine Diskussion darüber gibt, dass es zur Sunnah gehört, mit der Basmala zu beginnen, wenn man innerhalb der Sura (At-Taubah) mit der Rezitation beginnt, genauso wie er zwischen der Erwähnung zu Beginn der Sura und in ihrer Mitte differenzierte. Diese Erklärung war aber unzureichend, so dass sie von Al-Jaˈbari, einem anderen der Großgelehrten der Rezitatoren, widerlegt wurde. Eher sieht es so, dass es verpönt ist, die Basmala anfangs dieser Sura zu lesen, weil die Sura mit der Anordnung des Kampfes offenbart wurde und die Heuchler bloßstellt, sowie ihre schändlichen Taten, in einem Umfang, wie es in keiner anderen Sura erwähnt wurde, was durch diese Sura hindurch Erwähnung findet. Daher ist es nicht empfohlen die Basmala hierbei zu erwähnen, nicht einmal wenn man innerhalb der Sura mit der Rezitation beginnen sollte, und dies eben aus dem erwähnen Grund.“ Siehe „Al-Adab Asch-Scharˈiyyah“ von Ibn Muflih (2/325), „Al-Mausuˈah Al-Fiqhiyyah“ (13/253) und „Al-Fatawa Al-Kubra“ (1/52)

Drittens:

Was die Worte „Iqra bismi rabika“ (Lies im Namen deines Herrn) (Al-ˈAlaq 96:1) anbelangt, so sagte Ibn Jarir -möge Allah ihm barmherzig sein-: „Die Bedeutung dieser Worte ist, dass sie an Muhammad -Allahs Segen und Frieden auf ihm- gerichtet waren. In anderen Worten: Lies, o Muhammad, im Namen deines Herrn, Der erschuf…“

Und Allah weiß es am besten.

Quelle: Schaikh Muhammad Salih al-Munajjid