Sonntag 8 Rabii' Ath-Thaany 1440 - 16 Dezember 2018
German

Wird der Lohn für das Rezitieren des Korans aus dem Handy oder Gedächtnis kleiner?

Frage

Wenn ich aus dem Handy oder meinem Gedächtnis den Koran rezitiere, wird der Lohn dann kleiner als aus dem Mushaf?

Inhalt der Antwort

Alles Lob gebührt Allah

Wenn Jemand den Koran rezitiert, dann ist es am besten, wenn er dies in einer Lage/Situation macht, durch die er noch demütiger wird. Wenn man also den Koran aus dem Gedächtnis rezitiert und dadurch die Demut steigt, so ist dies am besten, und wenn aber die Demut steigt, weil man aus dem Mushaf oder dem Handy den Koran rezitiert, so ist dies am besten.

An-Nawawi -möge Allah ihm barmherzig sein- sagte in „Al-Adhkar“ (S. 90-91):

„Das Rezitieren des Korans aus dem Mushaf ist besser als das Rezitieren aus dem Gedächtnis. Dies sagten unsere Gefährten und es ist das, was über die Altvorderen -möge Allah mit ihnen zufrieden sein- bekannt ist. Dies gilt aber nicht uneingeschränkt. Denn wenn der Leser durch das Rezitieren aus dem Gedächtnis noch besser (über die Verse) nachdenken und sein Herz und Blick besser fassen kann, als durch das Rezitieren aus dem Mushaf, so ist es besser, wenn er aus dem Gedächtnis rezitiert. Und es für ihn keinen Unterschied macht, so ist es besser aus dem Mushaf zu rezitieren, da dies von den Altvorderen gewollt war.“

Es gibt schwache Ahadith vom Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm-, die man als Beweis nicht anführen kann, über den Vorzug für das Schauen auf den Mushaf. Siehe hierfür die Antwort auf die Frage Nr. 32594.

Schaikh Ibn Baz -möge Allah ihm barmherzig sein- wurde gefragt:
„Gibt es einen Unterschied bezüglich der Belohnung zwischen dem Rezitieren aus dem Mushaf oder aus dem Gedächtnis? Und wenn ich den Koran aus dem Mushaf rezitiere, genügt es dann, wenn ich mit den Augen rezitiere oder müssen sich meine Lippen bewegen? Und reicht es die Lippen zu bewegen oder muss man auch mit der Stimme rezitieren?“

Antwort:
„Ich kenne keinen Beweis der zwischen Mushaf und Gedächtnis bei der Rezitation unterscheidet. Wichtig ist, dass man (über die Verse) nachdenkt und mit dem Herzen anwesend ist, egal ob man aus dem Mushaf oder Gedächtnis rezitiert. Und es ist erst eine Rezitation, wenn man sie (selbst) hören kann. Es reicht hier nicht, dass man allein mit den Augen (auf die Wörter) schaut oder sich die Rezitation allein wahrnimmt, ohne etwas auszusprechen. Von der Sunnah ist, dass der Rezitierende die Worte ausspricht und über sie nachdenkt. Denn Allah -erhaben ist Er- sagte: „(Dies ist) ein gesegnetes Buch, das Wir zu dir hinabgesandt haben, damit sie über seine Zeichen nachsinnen und damit diejenigen bedenken, die Verstand besitzen.“ [Sad:29]

Er -der Mächtige und Gewaltige- sagte auch: „Denken sie denn nicht sorgfältig über den Koran nach? Oder sind an (diesen) Herzen deren Verriegelungen (angebracht)?“ [Muhammad:24] Und wenn die Rezitation aus dem Gedächtnis die Demut im Herzen noch eher steigen lässt und man dadurch besser über den Koran nachdenken kann, so ist dies besser. Doch wenn dies auf die Rezitation aus dem Mushaf eher zutrifft, so ist dies besser. Und Allah verleiht den Erfolg.“

Aus „Majmu' Fatawa Asch-Schaikh Ibn Baz“ (24/352).

Dadurch wird klar, dass, wenn du den Koran aus dem Handy mit Demut und Nachsinnen rezitierst, der Lohn, so Allah will, nicht kleiner wird, als wenn du ihn aus dem Mushaf lesen würdest. Es dreht sich alles darum, ob dein Herz anwesend ist und vom Koran profitierst.

Und Allah weiß es am besten.

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