Montag 11 Rabii' Al-Awwal 1440 - 19 November 2018
German

Die Wissenschaft bezüglich der mekkanischen und medinensischen Suren im Koran

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Herausgabedatum : 18-07-2016

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Frage

Was ist der Unterschied zwischen den mekkanischen und medinensischen Suren?

Inhalt der Antwort



Alles Lob gebührt Allah.

Die Fürsorge (Sorgfalt) der Muslime in Bezug auf den Koran ist eine überragende Fürsorge. Es gibt kein Buch auf dem Angesicht der Erde, welches so eine Stellung im Bezug auf sein Studium, seine Erklärung und seine Erläuterung erlangt hat, wie der Koran. Die Gelehrten haben sogar hunderte eigenständige Wissenschaften ins Leben gerufen, welche sich mit ihm beschäftigen, und zu den wichtigsten gehörte die Wissenschaft über „Das Mekkanische und das Medinensische“.
Es ist möglich, dass wir die Erläuterung dieser Wissenschaft des edlen Korans in folgenden Punkten kurzfassen:
Erstens:
Die fachspezifische Bedeutung von: „Das Mekkanische und das Medinensische“:
Es ist eine fachspezifische Bezeichnung, welche die Gelehrten ausgewählt haben, um zwischen den Versen und Suren zu unterscheiden, welche zur mekkanischen Phase der islamischen Botschaft herabgesandt wurden, und zwischen denen, welche zur Zeit der medinensischen Phase herabgesandt wurden. So wurde diese Unterscheidung unter den meisten Gelehrten berühmt.
Das Mekkanische an Versen und Suren ist das, was vor der prophetischen Auswanderung (Hijra) herabgesandt wurde, ungeachtet dessen ob dies in Mekka oder in ihren Vororten geschah.
Und das Medinensische an Versen und Suren ist das, was nach der prophetischen Auswanderung herabgesandt wurde, unabhängig davon, ob der Ort ihrer Herabsendung Medina war, Mekka nach der Eroberung oder irgendein Ort der arabischen Halbinsel, zu dem der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gegangen ist.
Zweitens:
Die Wichtigkeit dieser Wissenschaft und ihre Nutzen:
1. Die Erkenntnis über das Abrogierende (An-Nasikh) und das Abrogierte (Al-Mansukh):
Hier liegt ein gewaltiger Nutzen in Bezug auf das Verständnis des Korans und seiner Erläuterung. Die sich im Koran ereignende Abrogation (An-Naskh) bedeutet die Aufhebung des Urteils eines Verses durch ein neues Urteil. Um die abrogierenden Verse zu bestimmten, ist es unabdingbar, dass man Kenntnis über die Zeit ihrer Herabsendung hat, ereignete sich diese nämlich zur frühen Zeit, zum Beginn des Islams, oder zu späterer Zeit. So abrogieren die medinensischen Verse die mekkanischen, falls eine Abrogation tatsächlich auch aufgetreten ist.
2. Die Kenntnis über die Geschichte der Gesetzgebung und ihrer Phasen, sowie die Suche nach den Weisheiten, welche hinter der schrittweisen Entwicklung ihrer Urteile und Verse stecken, bis dann die Vollkommenheit zum Ende der Zeit der Prophetenschaft erreicht wurde. Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Kenntnis über die Phasen der Gesetzgebung für das Verständnis der Gesetzgebung selbst, sowie des Zwecks des Koran und seiner Weisheiten, sehr nützlich ist.

3. Die Erreichung eines gesunden und richtigen Verständnisses von den Versen des Koran und seiner Suren. Dieses aus dem Grund, da die Kenntnis über den Zeitpunkt und Umstand der Herabsendung der Verse viel zu ihrem Verständnis und Ergründung ihrer Zwecke beiträgt. Wer nun die Texte aus ihrem zeitlichen und örtlichen Zusammenhang herausreist, so hat er sich selbst den Weg der Wirklichkeit und des gesunden Verständnisses versperrt (abgeschnitten).
4. Zu ihrem Nutzen gehört die Verdeutlichung der gewaltigen Fürsorge für den Koran seitens der Muslime, denn sie haben nicht nur lediglich seine Texte bewahrt, sondern darüber hinaus die Zeitpunkte überliefert, in welcher er herabgesandt wurde. Damit ist das die Zeugenschaft der absoluten Zuverlässigkeit, welche die Gläubigen diesem gewaltigen Buch einräumen.
5. Der sprachliche Genuss der erhabenen Stilmittel im edlen Koran. So unterscheiden sich Suren in jeder ihrer Phasen, sei diese mekkanisch oder medinensisch, durch ihre klaren Stilmittel, welche dem entsprechen, was sie an Bedeutungen und Zwecken umfasst. Und jedes dieser Stilmittel hat seine Schönheit und Glanz, welche das Intellekt ergreifen und das Gehör erstaunen. Die Kenntnis des Mekkanischen und Medinensischen verhilft zu diesem Genuss und nähert ihn dem Geist.

6. Die Kenntnis über die Lebensgeschichte (Sirah) des Propheten. Die Herabsendung des edlen Korans hat dreiundzwanzig Jahre in Anspruch genommen. Sie begleitete somit alle Geschehnisse, welche der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, durchlebt hat. So ist das Verständnis des Mekkanischen und Medinensichen eine Stütze der Wissenschaft bezüglich der Lebensgeschichte des Propheten (Sirah) und eine Vervollkommnung ihres Studiums.
Drittens:
Der Unterschied zwischen dem Mekkanischen und Medinensischen:
Nach tiefgründigem Überlegen über die mekkanischen und medinensischen Suren ist es den Gelehrten deutlich geworden, dass der Unterschied zwischen ihnen von zwei Seiten aus betrachtet werden kann, nämlich seitens des Inhalts und seitens des Stils.
Schaikh ibn 'Uthaimin, möge Allah ihm barmherzig sein, sagte:
„Der mekkanische Teil unterscheidet sich von dem medinensischen Teil durch den Stil und die Thematik:
A. Unterscheidung aufgrund des Stils:
1. Das Überwiegende des Mekkanischen ist die Stärke des Stils und Härte der Ansprache, denn die überwiegend darin Angesprochenen sind jene, die sich abgewendet haben und die Hochmütigen, und ihnen gebührt nichts außer dies. Lies dazu die zwei Suren Al-Mudathir und Al-Qamar.
Was das Medinensische anbetrifft, so ist das darin Überwiegende die Milde des Stils und die Leichtigkeit der Ansprache, da die überwiegend darin Angesprochenen jene sind, die offen für die Botschaft waren und die Bereitwilligen. Lies dazu die Sura al-Maaidah.
2. Das Überwiegende des Mekkanischen ist die Kürze der Verse und die Stärke der Debatte, da die überwiegend darin Angesprochenen trotzig und streitlustig waren. So wurden sie damit angesprochen, was ihrem Zustand am besten entspricht. Lies dazu die Sura at-Tur.
Was das Medinensische anbetrifft, so ist das Überwiegende darin die Länge der Verse und die Erwähnung von Regeln, welche ohne Diskussion übertragen wurden, da deren Zustand dies verlangt. Lies dazu den Vers bezüglich der Schulden in Sura al-Baqara.
B. Unterscheidung aufgrund der Thematik:
1. Das Überwiegende des Mekkanischen ist die Wiederholung der Thematik des reinen Monotheismus (Tauhid) und des gesunden Glaubenfundaments ('Aqidah), insbesondere im Bezug auf den Tauhid, welcher mit der Anbetung Allahs zu tun hat (Tauhid al-Uluhiyyah), der inneren Überzeugung (Iman) bezüglich der Auferweckung nach dem Tod (Ba'th), da die überwiegend darin Angesprochenen dieses geleugnet haben.
Was das Medinensische anbelangt, so ist das darin Überwiegende die detaillierte Erklärung der gottesdienlichen Handlungen ('Ibadah) und Beziehungen, da in den Seelen der darin überwiegend Angesprochenen der reine Monotheismus (Tauhid) und das gesunde Glaubensfundament ('Aqidah) schon gefestigt waren. Sie bedurften somit der Erklärung der gottesdienlichen Handlungen und Beziehungen.
2. Die Ausführlichkeit in Bezug auf die Erwähnung des Jihad und seiner Regeln, die Erwähnung der Heuchler und ihrer Zustände wird im medinensischen Teil, der Erfordernis entsprechend, erwähnt. Dieses, da der Jihad (zu dieser Zeit) vorgeschrieben und die Heuchelei offensichtlich wurde, im Unterschied zu der mekkanischen Zeit.
[Usul at-Tafsir (S.13)]
Dr. Mina'u al-Qattan, möge Allah ihm barmherzig sein, sagte:
„Die Gelehrten haben die mekkanischen und medinensischen Suren untersucht und haben für jede mekkanische und medinensische Sura kontextbezogene Regeln abgeleitet, welche die Besonderheiten des Stils und der Thematik hervorheben, welche die Suren beinhalten. Sie haben dadurch charakteristische Regeln hervorgebracht:
Die Regeln des Mekkanischen und die Charakteristik seiner Thematik:
1. Jede Sura, in welcher eine „Sajdah“ vorkommt, so ist sie eine Mekkanische.
2. Jede Sura, in welcher der Ausdruck „Kallaa“ (Keineswegs) vorhanden ist, so ist sie eine mekkanische Sura, und dieser tritt nicht auf, außer in der letzten Hälfte des Korans, und wurde in fünfzehn Suren insgesamt dreiunddreißig Mal erwähnt.

3. Jede Sura, in welcher der Vers „O ihr Menschen“ vorkommt und in ihr kein „O ihr, die ihr glaubt“ ist, so ist sie eine Mekkanische, außer die Sura al-Hajj, da an ihrem Ende der Vers vorhanden ist „O ihr, die ihr glaubt, verbeugt euch, werft euch nieder“. Nichtsdestotrotz erachten sie viele Gelehrte ebenfalls als mekkanisch.
4. Jede Sura, in welcher die Geschichten der Propheten und vergangener Völker (Umam) erwähnt werden, so ist sie eine Mekkanische, außer die Sura al-Baqara.
5. Jeder Surah, in welcher Adam und Iblis erwähnt werden, so ist sie eine Mekkanische, außer der Sura al-Baqara.
Die Regeln des Medinensischen und die Charakteristik seiner Thematik:
1. Jede Surah, in welcher eine Pflicht oder (islamrechtliche) Bestrafung vorkommt, so ist sie eine Medinensische.
2. Jede Sura, in welcher Heuchler erwähnt werden, so ist sie eine Medinensische, außer der Sura al-'Ankabut, da sie eine Mekkanische ist.
3.Jede Sura, in welcher die Schriftenbesitzer (Ahlu al-Kitab) zur einer Diskussion herausgefordert werden, so ist sie eine Medinensische.
Dieses war seitens der Regeln. Was jedoch die Charakteristik der Thematik und des Stils betrifft, so kann man dies in Folgendem zusammenfassen:
1. Die Erklärung der gottesdienlichen Handlungen ('Ibadah), der Beziehungen, der Strafen, der Organisation der Familie, der Erbschaftsfolge, des Vorzuges von Jihad, der gemeinschaftlichen Gebete, der staatlichen Angelegenheiten im Krieg und Frieden, der Regeln des Richtens und der gesetzgeberischen Angelegenheiten.

2. Ansprache der Schriftenbesitzer unter den Juden und Christen, ihr Aufruf zum Islam, die Verdeutlichung ihrer Verfälschung von dem Buch Allahs, ihres Abwendens von der Wahrheit und ihrer Abweichung aus Missgunst untereinander, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen ist.
3. Die Aufdeckung der Verhaltensweisen der Heuchler, die Analyse ihres psychischen Zustandes, die Beseitigung der Vorhänge ihrer Geheimnisse und die Klarstellung ihrer Gefahr für die Religion.
4. Die Länge der Abschnitte und Verse als Stilmittel, um die Gesetzgebung (Schari'a) zu bestimmen, ihre Ziele und Durchsetzung zu verdeutlichen.“
[Ende des Zitates aus Mabahithu fi Ulum al-Qur'an (62-64)]
Abschließend:
Wer Details zu dieser Wissenschaft möchte, nach Aussagen der Gelehrten diesbezüglich sucht, ihrer Aufzählung der mekannischen und medinensischen Suren, ihren Meinungsunterschieden bezüglich einiger davon oder nach der Antwort auf die Scheinargumente der Orientalisten, welche sie um dieses Thema aufgeworfen haben, so soll er auf die folgende Literatur zurückgreifen:
„Al-Burhanu fi 'Ulumi al-Qur'ani“ von az-Zarkaschi (1/187-206), „Al-Itqanu fi 'Ulum al-Qur'an“ (1/34-59), „Manahil Al-'rfan fi 'Ulum al-Qur'an“ von Muhammad 'Abduladhim az-Zarqani (1/135-167).
Und Allah weiß es am besten.

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