Sonntag 10 Rabii' Al-Awwal 1440 - 18 November 2018
German

Was ist die beste Methode für die Behandlung von Besorgnis?

Frage

Eine Person befindet sich in einer schweren psychischen Lage. Er begann Bittgebete (Du'aa) zu machen, um sich von diesen Besorgnissen und seelischem Druck zu befreien. Ist es ihr erlaubt die Hilfe eines muslimischen Psychologen in Anspruch zu nehmen? Und falls es erlaubt ist, ist es notwendig sich darüber zu erkundigen, ob der Glauben ('Aqidah) des Arztes korrekt ist? Und ist die Einnahme von Antidepressiva hierbei gestattet?

Inhalt der Antwort


Alles Lob gebührt Allah

Bezüglich der therapeutischen Behandlung von Krankheiten, welche den Menschen befallen, gibt es keine Einwände, und diese ist auch nicht verboten, jedoch unter der Bedingung, dass die eingenommenen Medikamente nicht mehr schädliche und gefährliche Nebenwirkungen verursachen als die Krankheit selbst mit sich bringt.

Wir raten dem Erkranken an – unabhängig davon, ob die Krankheit eine psychische ist, wie Besorgnis und Depression – oder physische, wie unterschiedliche Schmerzarten – sich zu beeilen sich in erster Linie mit der Ar-Ruqyah asch-Schar'iyah behandeln zu lassen, und dies ist das, was islamrechtlich an Qur'anversen (Ayat) und Überlieferungen (Ahadith) an Empfehlung gekommen ist, und da darin gewiss Heilung für Krankheiten ist.
Daraufhin empfehlen wir die Behandlung durch natürliche Mittel, welche Allah erschaffen hat, wie Honig und Heilkräuter. Diese Dinge hat Allah mit Eigenschaften erschaffen, durch welche viele Krankheiten behandelt werden können, und welche zur gleichen Zeit keine negativen Nebenwirkungen für den Behandelten haben.

Unserer Ansicht nach sollten zur Behandlung von Besorgnis (Qalaq) keine chemisch hergestellten Medikamente verwendet werden, da der damit Erkrankte vielmehr einer psychischen Behandlung bedarf als einer chemischen Behandlung.

Was er benötigt ist die Stärkung (Zunahme) seines Glaubens (Iman), der Überzeugung von seinem Herrn, Vermehrung von Bittgebeten (Du'aa) und des Gebetes. Wenn er dies ausführt, so wird die Besorgnis so weit wie möglich von ihm entfernt sein. Die Ausweitung seiner Brust und des Herzens durch die Gehorsamkeit Ihm (seinem Herrn) gegenüber hat einen gewaltigeren Einfluss auf die Psyche und ihre Abwehr gegen viele psychische Erkrankungen. Aus diesem Grund sehen wir nicht, dass der Gang zu einem Psychologen verdorbenen Glaubens ('Aqidah) angetreten werden sollte, geschweige denn zu einem Nichtmuslim (Kafir), und je mehr Wissen der Arzt über Allah und seine Religion besitzt, desto mehr ist er dem Erkrankten zu empfehlen.
Allah, erhaben sei Er, sagte:

„Dem, der recht handelt - ob Mann oder Frau - und gläubig ist, werden Wir gewiss ein gutes Leben gewähren; und Wir werden gewiss solchen (Leuten) ihren Lohn nach der besten ihrer Taten bemessen.“

[An-Nahl 16:97]

Von Suhayb wird überliefert, dass er sagte: „Der Gesandte Allahs, Allah Frieden und Segen auf ihm, sagte: „Die Angelegenheit des Gläubigen ist verwunderlich. Wahrhaftig, jede seine Angelegenheit ist gut! Dies gilt für niemanden außer den Gläubigen. Wenn ihm etwas Gutes widerfährt, dankt er, und dies ist gut für ihn. Und wenn ihm etwas Schlechtes widerfährt, ist er geduldig, und das ist gut für ihn.““

[Überliefert von Muslim (2999)]

Dem Muslim sollte das Diesseits auf keinen Fall seine größte Sorge sein, und er sollte der Besorgnis über seine Versorgung (Rizq) keinen Raum lassen, dass diese sein Herz und seinen Verstand befällt, andernfalls wird dieses seine Krankheit und Besorgnis nur noch vorantreiben.

Von Anas, möge Allah zufrieden mit ihm sein, wird überliefert, dass der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihm, sagte: „Wessen Sorge das Jenseits ist (Akhirah), dem gibt Allah Reichtum in seinem Herzen, ordnet all seine Angelegenheiten, und das Diesseits (Dunya) kommt widerwillig zu ihm. Und wessen Sorge das Diesseits ist, so macht ihm Allah die Armut (ständig) zwischen (vor) seinen Augen, trennt seine Angelegenheiten, und vom Diesseits erreicht ihn nicht mehr als das, was Allah ihm vorgeschrieben hat.“

[Überliefert von at-Tirmidhi (2389) und wurde von Schaikh Al-Albani in „Sahih Al-Jami'i“ als authentisch eingestuft]
Ibn Al-Qayyim, möge Allah ihm barmherzig sein, sagte:
„Wenn der Diener den Morgen und die Nacht erlebt und seine Sorge einzig und alleine Allah ist, sokümmert sich Allah um all seine Bedürfnisse und nimmt von ihm alles fort, was ihn besorgt, befreit sein Herz für die Liebe zu Ihm, die Zunge für Seine Erwähnung und seine Organe für Gehorsamkeit Ihm gegenüber. Und falls er den Morgen und die Nacht erlebt, wobei das Diesseits seine Sorge ist, so bürdet ihm Allah ihre Sorgen, Kummer und Ärgernisse auf und vereinnahmt seine Psyche damit. So beschäftigt er sein Herz mit der Liebe zur Schöpfung anstatt mit der Liebe zu Ihm (Allah) und seine Zunge mit ihrer Erwähnung anstatt seiner Erwähnung, und seine Organe beschäftigt er mit der Dienerschaft gegenüber den Geschöpfen und deren Beschäftigungen anstatt mit der Gehorsamkeit gegenüber Ihm (Allah), so dass er sich wie ein Tier im Dienste anderer abmüht. Jeder, der sich von der Anbetung Allahs, der Gehorsamkeit und der Liebe Ihm gegenüber abwendet, wird von der Anbetung der Geschöpfe, der Liebe und Dienerschaft ihnen gegenüber heimgesucht. Allah, erhaben sei Er, sagte:

„Und für den, der sich vom Gedenken an den Allerbarmer abwendet, bestimmen Wir einen Satan, der sein Begleiter sein wird.““

[Az-Zuhruf 43:36] [Ende des Zitates aus „Al-Fawaid“ (S. 159)]

Schaikh ibn 'Uthaimin, möge Allah ihm barmherzig sein, wurde gefragt:

„Ist es möglich, dass ein Gläubiger (Mu'min) psychisch erkrankt? Und was ist die islamrechtliche Behandlung diesbezüglich, mit dem Wissen, dass die neuzeitliche Medizin diese Erkrankungen mit modernen Medikamenten behandelt?
So antwortete er:
„Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Mensch psychische Krankheiten erleidet, wie Zukunftssangst und Kummer um die Vergangenheit. Diese psychischen Krankheiten haben auf den Körper eine stärkere Wirkung als physische Krankheiten. Dabei ist die Heilung dieser Krankheiten mittels islamrechtlich empfohlener Methoden, nämlich mit Ruqya, erfolgreicher als ihre Behandlung mit pharmazeutischen Mitteln, wie es bereits bekannt ist.

Zu diesen Heilmitteln zählt auch die folgende authentische Überlieferung von ibn Mas'ud, möge Allah zufrieden mit ihm sein:
„Kein Gläubiger (Mu'min) wird von Sorge, Betrübnis und Kummer heimgesucht, und er spricht darauf: „O Allah, ich bin dein Diener, Sohn deines Dieners, Sohn deiner Dienerin, meine Stirnlocke ist in deiner Hand, dein Befehl über mich wird sicher ausgeführt, und dein Beschluss über mich ist gerecht. Ich bitte dich bei jedem deiner Namen, mit denen du dich selbst benannt hast, oder den du in deinem Buch offenbart hast, oder den du irgendeinen von deiner Schöpfung gelehrt hast, oder den du im Wissen des Verborgenen bei dir behalten hast, dass du den gewaltigen Qur'an zum Frühling meines Herzen machst, zu einem Licht für meine Brust, zur Vertreibung meines Kummersund zur Beseitigung meiner Betrübnis und meiner Sorgen.“ - ohne dass Allah ihn davon entlastet.““

Und dies ist eines der islamrechtlichen Heilmittel.

Dazu gehört ebenfalls, dass man sagt: „Es ist kein Gott außer Dir. Gepriesen seist Du! Ich bin wahrlich einer der Ungerechten gewesen.“

[Al-Anbiya 21:87]

Wer mehr möchte, so soll er zu dem zurückkehren, was die Gelehrten diesbezüglich im Kapitel von Erwähnungen Allahs (Al-Adhkar) geschrieben haben, wie „Al-Wabil As-Sayyib“ von ibn Al-Qayyim,„Al-Kalimatu At-Tayyibatu“ von Schaikh Al-Islam ibn Taymiyya, „Al-Adhkar“ von An-Nawawi und „Zaad al-Ma'ad“ von ibn Al-Qayyim.

Jedoch ist es so, dass wenn der Glauben (Iman) schwächer wird, dass dann auch die Annahme (Wirkung) islamrechtlicher Heilmittel abnimmt. Und die Menschen sind heute so geworden, dass ihr Vertrauen gegenüber pharmazeutischen Medikamenten größer ist als gegenüber islamrechtlichen Heilmitteln. Oder, wann immer der Glaube (Iman) stärker wird, dann wird auch die Wirkung islamrechtlicher Heilmittel vollkommen sein, und ihre Wirkung tritt vielmehr schneller ein als jene pharmazeutischer Medikamente.

Und keinem von uns ist die Geschichte des Mannes entgangen, welchen der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auf eine Mission geschickt hat, und er bei einem Stamm von den Arabern verweilte. Dieser Stamm, bei dem sie sich kurzweilig niederließen hat ihnen jedoch keine Gastfreundschaft erwiesen, so wollte Allah, der Mächtige und Gewaltige, dass deren Oberhaupt von einer Schlange gebissen wird. So sagten die einen von ihnen zu den anderen: „Geht zu dieser Gruppe von Leuten, welche sich niederließen, auf dass ihr unter ihnen einen Ruqyah-Heiler (Raqi) findet. Die Gefährten (des Propheten) sagten daraufhin zu ihnen: „Wirwerden auf euren Führer keine Ruqyah lesen, außer dass ihr uns so und so viel an Schafen gebt. Sie sagten: „In Ordnung.“ Daraufhin ging einer der Prophetengefährten zu dem von der Schlange Gebissenen und las auf ihn lediglich Surah Al-Fatiha. So stand dieser Gebissene auf, als ob er sich aus Fesseln losriss.
Auf diese Weise hatte die Rezitation der Sura Al-Fatiha eine Wirkung auf diesem Mann, da sie von einem Herzen hervorkam, welches mit Glauben (Iman) ausgefüllt war. So sagte der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihm, nachdem sie zu ihm zurückgekehrt sind: „Und was ließ dich wissen, dass sie eine Heilung (Ruqyah) ist?“

In unserer Zeit jedoch, einer Zeit schwacher Religion (Din) und Glaubens (Iman) sind die Menschen so geworden, dass sie sich auf äußerliche materielle Angelegenheiten verlassen, wobei sie in Wirklichkeit davon heimgesucht werden.

Dieser Gruppe von Leuten stehen jene gegenüber, welche durch ihr können und Worte die Menschen betrügen, mit ihrem Verstand spielen, und vorgeben, dass sie hervorragende Rezitatoren (Heiler) sind, wobei sie jedoch auf ungerechte Weise deren Vermögen verzehren. Die Menschen befinden sich somit zwischen zwei Extremen. Das eine Extrem sind jene, welche der Rezitation (Qira'ah) jegliche Wirkung absprechen, und das andere Extrem sind jene, welche durchund betrügerische Rezitation mit dem Verstand der Menschen spielen. Unter ihnen gibt es jene, welche sich in der Mitte befinden.“

[Fatawa Islamiyah (4/456,466)]

Wir bitten Allah, dass er uns und euch vor der Schlechtigkeit der Besorgnis und des Kummers bewahrt, und dass er unsere Brust für den Glauben (Iman), die Rechtleitung und Seelenruhe weitet.

Und Allah weiß es am besten.

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