Freitag 6 Rabii' Ath-Thaany 1440 - 14 Dezember 2018
German

Erlogene Nachrichten (Mitteilungen) bezüglich Besonderheiten von Suren des edlen Koran

Frage

Ich bekam die folgende Nachricht: Koranische Vorzüge: Bei Eheproblemen - Sura Al-Muzzammil; Für Nachkommenschaft - Sura Al-Anbiya; Bei Schulden - Sura Al-ˈAdiyat; Für Versorgung - Sura Al-Waqiˈah; Bei Heiratswunsch - Sura Al-Hajj; Zur Loswerdung von Einflüsterung und Erlösung aus Gefangenschaft - Sura Yusuf; Für den Schutz des ungeborenen (Babies) - Sura Maryam; Für leichtere Geburt - Sura Al-Inschiqaq; Zum Schlaf des Kindes - Sura Al-Ghaschiya; Gegen den bösen Blick - Sura Al-Falaq; Bei Vergesslichkeit - Sura Ad-Duha… Ist dieses Gerede authentisch?

Inhalt der Antwort

Alles Lob gebührt Allah.

Erstens:
Zu den erfundenen Neuerungen in der Religion gehört es bestimmten Suren und Versen vom edlen Koran Besonderheiten zuzuschreiben, wie beispielsweise, dass sie zur Heilung von Krankheiten dienen, Lösung von Problemen und Erlösung von bestimmten Krisenzuständen, bezüglich derer es keinen Beweis gibt.
Schaikh Bakr Abu Zayd -möge Allah ihm barmherzig sein- sagte:
„Zu den Neuerungen gehört es der Rezitation von Versen oder Suren Besonderheiten zuzuschreiben, sei es bezüglich von Zeit, Ort oder Bedürfnissen, wofür es keinen Beweis gibt.“ [Aus „Bidaˈu Al-Qiraˈah“ , S 14]
Das ständige Fatwa-Komitee wurde gefragt:
„In Uganda ist es so, dass wenn eine Person seinen Herrn anflehen will, mit einem Bittgebet, das für die Ausweitung von der Versorgung bestimmt ist, er gebildete Personen einlädt, von denen jeder seinen Mushaf mit sich bringt, worauf sie dann mit der Rezitation beginnen. Einer liest Sura Ya-Sin, weil sie das Herz des Korans ist, der zweite liest Sura A-Kahf, der dritte liest Sura Al-Waqˈah, Ar-Rahman oder Ad-Dukhan, Al-Maˈarij, Nun, Al-Mulk, Muhammad, Al-Fath und ähnliche koranische Suren usw. Sie lesen jedoch nicht von der Sura Al-Baqara oder An-Nisa. Danach wird das Bittgebet (Duˈa) gesprochen. Ist diese Vorgehensweise legitim im Islam?“
Das Komitee antwortete:
„Den Koran zu lesen und dabei über die Bedeutung seine Verse tiefgründig nachzudenken gehört zu den vorzüglichsten gottesdienlichen Handlungen. Allah anzuflehen, zu Ihm zu flüchten und Ihn um die Gewährung des Erfolgs im Guten anzuflehen, um Vermehrung der Versorgung und andere Arten des Guten, ist eine legitime Form der Anbetung (ˈIbadah).
Die Art und Weise jedoch, welche du in deine Frage erwähnt hast, sprich dass man bestimmte Suren des Korans einer Anzahl von Personen verteilt, dabei jeder von ihnen eine Sura liest, um danach für die Vermehrung von Versorgung (Rizq) zu bitten und Ähnliches, ist eine Neuerung. Dieses, da es nicht vom Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- überliefert wurde, weder in Wort, noch in Tat. Und wurde es von keinem der Prophetengefährten -möge Allah mit ihnen zufrieden sein- berichtet, und auch nicht von den Imamen der Altvorderen (Salaf), wobei das Gute in dem Folgen derjenigen liegt, die vorausgingen (Salaf) und das Schlechte in den Neuerungen jener, die nachfolgten (Khalaf). Von dem Propheten -Allah Segen und Frieden auf ihm- wurde überliefert, dass er sagte: „Wer etwas Neues in diese unsere Sache einführt, so ist es zurückgewiesen.“
[Ende des Zitats aus „Fatawa Al-Lajnah Ad-Daˈimah“ (2/486)
Das Komitee wurde auch bezüglich der Bezeichnung der Suren Al-Kahf, As-Sajdah, Ya-Sin, Fussilat, Ad-Dikhan, Al-Waqiˈah, Al-Haschr und Al-Mulk als „Die Errettenden“ gefragt, worauf es antwortete:
„Es wurde nicht überliefert, dass der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- diese acht Suren hervorgehoben hat, im Sinne dass sie als „die Errettenden“ beschrieben oder so genannt wurden. Wer die genannten Suren als „die Errettenden“ hervorhebt, so ist er unwissend und ein Neuerer. Und wer sie in diese Reihenfolge, von anderen Suren abgesondert, vereinigt, sich davon Rettung, Bewahrung und Segen erhoffend, so hat er Übles getan diesbezüglich und hat sich widersetzt, weil er damit von der Reihenfolge der Suren des uthmanischen Mushafs abgewichen ist, bezüglich welchem die Prophetengefährten einen Konsens hatten -möge Allah mit ihnen zufrieden sein-, und weil er den größten Teil des Korans außer Acht gelassen hat, sowie weil er einem Teil des Korans Besonderheiten zugeschrieben hat, welche weder der Gesandte Allahs  -Allahs Segen und Frieden auf ihm-, noch einer seiner Gefährten ihm zugeschrieben haben.
Aus diesem Grund ist es verpflichtend diese Handlung zu untersagen, und (gedruckte) Exemplare solcher Nachrichten zu vernichten, als Missbilligung dieses Übels und seine Auslöschung.“
[Ende des kurz gefassten Zitats aus „Fatawa Al-Lajnah Ad-Daˈimah (2/468,479)]
Das meiste, was in der Frage erwähnt wurde, entbehrt jeglicher Grundlage.

In der Frage wurde gesagt, dass die Rezitation der Sura Al-Waqiˈah einem Versorgung (Rizq) bringt. Das ist in der Bedeutung von dem, was in einem schwachen Hadith bei An-Nasai in „ˈAmal Al-Yaum Wa Al-Layl“ (674) überliefert wurde, mit dem Wortlaut: „Wer die Sura Al-Waqiˈah jede Nacht rezitiert, den wird Armut nicht ereilen.“ Siehe „Ad-Daˈifah“ (289)

Was in der Frage bezüglich der Sura An-Nas zur Vertreibung von Einflüsterungen erwähnt wurde, ist dem Wortlaut ihrer Verse nach authentisch.

Abu Dawud (1463) überlieferte von ˈUqbah Ibn ˈAmir, dass er sagte: „Als ich mit dem Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- zwischen Al-Juhfah und Al-Abwaˈa unterwegs war, umhüllten uns plötzlich Wind und starke Finsternis, worauf der Gesandte Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- begann Zuflucht bei Allah zu ersuchen, in dem er rezitierte „Sprich: Ich nehme Zuflucht beim Herrn des Tagesanbruchs…“ (Sura Al-Falaq) und „Ich nehme Zuflucht beim Herrn der Menschen…“ (Sura An-Nas). Und er sagte: O ˈUqbah, ersuche damit Zuflucht (bei Allah), und wie vorzüglich ist es mit ihnen um Zuflucht zu ersuchen.“ [Schaikh Al-Albani hat in in „Sahih Abi Dawud“ als authentisch (Sahih) klassifiziert]

Und was bezüglich der Rezitation der Sura Al-Falaq beim bösen Blick anbelangt, so ist es authentisch, aufgrund der angeführten Überlieferung. Siehe dazu die Frage Nr. (198616)

Was darüber hinausgeht, so kennen wir bezüglich dessen keine Grundlage in der Religion Allahs.

Wir können jedoch einen Ratschlag ans Herz legen, der besser ist als das, was in der erwähnten Nachricht angeführt wurde:
Wer im Diesseits, im Grab und im Jenseits ein gutes Leben leben möchte, so sollte er sich an den ganzen Koran halten, ihn lesen, über ihn tiefgründig nachdenken und nach ihm handeln. Allah -erhaben ist Er- sagte: „Doch wenn dann von Mir Rechtleitung zu euch kommt, dann wird derjenige, der Meiner Rechtleitung folgt, nicht irregehen und nicht unglücklich sein. Wer sich aber von Meiner Ermahnung abwendet, der wird ein beengtes Leben fuhren, und Wir werden ihn am Tag der Auferstehung blind (zu den anderen) versammeln.“ [Ta Ha 20:124]

Und der Erhabene sagte: „Wer rechtschaffen handelt, sei es Mann oder Frau, und dabei gläubig ist, den werden Wir ganz gewiss ein gutes Leben leben lassen. Und Wir werden ihnen ganz gewiss mit ihrem Lohn das Beste von dem vergelten, was sie taten.“ [An-Nahl 16:97]

Und Allah weiß es am besten.

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