Dienstag 16 Safar 1441 - 15 Oktober 2019
German

Eine gekürzte Beschreibung der Hajj für sich selbst und anstelle von anderen und die Arten der Riten

Frage

Ich will dieses Jahr stellvertretend für meinen verstorbenen Vater die Hajj vollziehen, wobei ich sie bereits vor mehreren Jahr zuvor schon vollzogen habe. Darum bitte ich, dass Sie mir die beste Art und Weise der Verrichtung der Hajj, entsprechend der Sunnah, erklären können. Und was sind die Unterschiede zwischen den Arten der Hajj? Und welche ist für den Menschen, wenn er sie für sich selbst vollzieht, am besten?

Inhalt der Antwort

Alles Lob gebührt Allah.

Erstens:

Dies ist eine Zusammenfassung von dem, was der Hajj-Pilger, entsprechend der authentischen Sunnah, machen soll:

1. Am 8. Dhul Hijjah tritt der Hajj-Pilger in den Ihram-Zustand, in Mekka oder in der Nähe der Haram-Moschee, ein und macht beim Ihram für die Hajj dasselbe, was er beim Ihram für die 'Umrah tut. So wäscht er sich, parfümiert sich ein, betet, fasst dann die Absicht für den Ihram für die Hajj und spricht die Talbiyah. Die Art und Weise der Talbiyah in der Hajj ist dieselbe, wie die in der 'Umrah, nur sagt man hier: „Labbaika Hajjan (Hier bin ich für die Hajj)“, anstelle von: „Labbaika 'Umratan (Hier bin ich für die 'Umrah)“. Und wenn man befürchtet, dass einen etwas davon abhalten könnte, die Hajj vollständig zu vollziehen, stellt man eine Bedingung, indem man sagt: „Und wenn mich etwas daran hindert (die Hajj vollständig zu vollziehen), dann werde ich den Ihram-Zustand an der Stelle auflösen, an der ich davon abgehalten werde.“ Und wenn man dies nicht befürchtet, dann soll man keine Bedingung stellen.

2. Dann geht man nach „Mina“, übernachtet dort und verrichtet die fünf Gebete; das Mittagsgebet, Nachmittagsgebet, Abendgebet, Nachtgebet und das Morgengebet.

3. Wenn die Sonne des neunten Tages aufgeht, geht man nach „'Arafah“, verrichtet dort das Mittags- und Nachmittagsgebet, in der Zeit des Mittagsgebet zusammengelegt und gekürzt, und bemüht sich anschließend darin Bittgebete, Andachten und Istighfar (Allah um Vergebung bitten) zu sprechen, bis die Sonne untergeht.

4. Wenn die Sonne untergegangen ist, geht man nach „Muzdalifah“, verrichtet dort das Abend- und Nachtgebet, wenn man den Ort erreicht, übernachtet anschließend dort, bis man das Morgengebet verrichtet und gedenkt dann Allahs -erhaben ist Er- und spricht Bittgebete bis kurz vor Sonnenaufgang.

5. Dann geht man von dort aus nach „Mina“, um die Jamrah Al-'Aqabah zu bewerfen, welche die letzte, neben Mekka ist, und bewirft sie mit sieben aufeinanderfolgenden Kieselsteinen, einen nach dem anderen. Jeder Kieselstein soll ungefähr so groß wie ein Dattelkern sein und mit jedem Kieselstein soll man den Takbir (Allahu Akbar) sprechen.

6. Dann schlachtet man das Opfertier. Dieses ist entweder ein Schaf, ein Siebtel eines Kamels oder ein Siebtel einer Kuh.

7. Dann rasiert man seinen Kopf, wenn man ein Mann ist. Die Frau aber soll von ihren ganzen Haaren nur so viel, wie eine Fingerkuppe, kürzen, und nichts rasieren.

8. Dann geht man nach Mekka und vollzieht den Tawaf der Hajj.

9. Anschließend kehrt man nach „Mina“ zurück und übernachtet dort in den folgenden Nächten: dem 11. und 12. Dhul Hijjah. Dann bewirft man die drei Jamarat, nach dem die Sonne ihren Zenit erreicht (Zawal), jeweils mit sieben aufeinanderfolgenden Kieselsteinen. Man beginnt mit der kleinsten, die von Mekka am entferntesten ist, dann geht man zur mittleren, spricht nach beiden Bittgebete und kommt dann zur Jamrah Al-'Aqabah, nach der man aber keine Bittgebete spricht.

10. Wenn man mit dem Bewerfen der Jimar, am zwölften Tag, fertig ist, kann man sich beeilen und Mina verlassen, wenn man will, oder sich Zeit lassen, dort die dreizehnte Nacht verbringen und die drei Jimar, nach dem Zawal, bewerfen, wie am vorigen Tag. Und zu bleiben ist besser, es ist aber keine Pflicht, außer wenn die Sonne des zwölften Tages untergegangen ist und man noch in Mina ist. In dem Fall muss man bleiben, bis man die drei Jimar, nach dem Zawal, beworfen hat. Doch wenn die Sonne des zwölften Tages untergegangen und man ungewollt noch in Mina ist, wie jemand, der schon gegangen ist, sich aber verspätet hat, aufgrund eines Staus etc., dann muss man nicht bleiben, da man ungewollt dort war.

11. Wenn diese Tage vorbei gegangen sind und man abreisen will, dann darf man erst abreisen, nachdem man die Abschieds-Tawaf um die Kaaba, mit sieben Runden, vollzogen hat. Ausgenommen sind die menstruierende und im Wochenbett befindende Frau, diese müssen keine Abschieds-Tawaf vollziehen.

12. Wenn der Hajj-Pilger eine freiwillige Hajj, stellvertretend für jemand anderen, vollzieht, egal ob es ein Verwandter ist oder nicht, so muss man davor schon für sich selbst die Hajj vollzogen haben. Und in der Art und Weise der Hajj unterscheidet sich nur die Absicht. So fasst man die Absicht, dass man stellvertretend für diese Person die Hajj vollzieht und nennt sie in der Talbiyah beim Namen, wie: „Labbaika 'an Fulan (Hier bin ich für Fulan).“ Anschließend spricht man bei Bittgebeten und den Riten Bittgebete für sich selbst und für die Person, für die man die Hajj vollzieht.

Zweitens:

Was die Arten der Hajj betrifft, so gibt es drei: Tamattu', Qiran und Ifrad.

Tamattu: Hier tritt man für die 'Umrah in den Hajj-Monaten in den Ihram-Zustand ein. Die Hajj-Monate sind: Schawwal, Dhul Qi'dah und die zehn Tage vom Dhul Hijjah. Dann löst der Pilger den Ihram-Zustand auf und tritt für die Hajj in Mekka, oder in der Nähe, am Tarwiyah-Tag, im selben Jahr der 'Umrah, wieder ein.

Qiran: Beim Qiran tritt man für die Hajj und die 'Umrah gemeinsam in den Ihram-Zustand ein. Der Pilger löst ihn erst am Tag des Opferfestes auf. Oder er betritt den Ihram-Zustand für die 'Umrah und bindet die Hajj mit ein, bevor er mit dem Tawaf beginnt.

Ifrad: Bei dieser Art tritt man für die Hajj vom Miqat aus, oder Mekka, wenn man ein Bewohner dessen ist, oder an einem anderen Ort, abgesehen vom Miqat, in den Ihram-Zustand ein. Dann bleibt man im Ihram, bis zum Tag des Opferfestes, wenn man ein Opfertier bei sich hat. Und wenn man keins bei sich hat, soll man die Hajj in eine 'Umrah umwandeln, den Tawaf und Sa'i verrichten, die Haare kürzen und den Ihram-Zustand auflösen, so wie es der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- denjenigen angeordnet hat, die für die Hajj in den Ihram-Zustand eingetreten sind, aber kein Opfertier hatten. Genauso ist es beim Qarin, wenn dieser kein Opfertier bei sich hat, dann soll er seine Qiran-Hajj zu einer 'Umrah umwandeln, wie bereits erwähnt.

Die beste dieser drei Arten, für den, der kein Opfertier bei sich hat, ist der Tamattu', denn der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- ordnete diesen seinen Gefährten an und betonte/bekräftigte dies.

Wir raten dir, für mehr Informationen über die Regeln der Hajj und 'Umrah, auf das Buch „Manasik Al-Hajj wa Al-'Umrah“, von Schaikh Ibn 'Uthaimin -möge Allah ihm barmherzig sein-, zurückzugreifen. Du kannst es über die Webseite des Schaikhs im Internet erhalten.

Und Allah weiß es am besten.

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