Dienstag 3 Rabii' Ath-Thaany 1440 - 11 Dezember 2018
German

Der Verzehr vom Essen, das am Geburtstag des Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- angeboten (und verteilt) wird

Frage

Ist es erlaubt das Essen zu verzehren, das zum Geburtstag des Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- angeboten (und verteilt) wird? Einige Leute führen als Beweis an, dass Abu Lahab eine Sklavin freiließ, als der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- geboren wurde, und Allah ihm deswegen die Strafe an diesem Tag erleichtert hat.

Inhalt der Antwort

Alles Lob gebührt Allah.

Erstens:

In der islamischen Gesetzgebung (Schariˈah) gibt es nichts, das „der Festtag zur Geburt des Propheten“ heißt. Weder den Prophetengefährten, deren Folgern (die Tabiˈun), den vier Imamen, noch anderen war dieser Tag in der Religion bekannt. Dieser Feiertag wurde vielmehr seitens der Neuerer der Batiniyyah-Sekte (Extrem-Schiiten) erfunden. Danach nahmen sich die Leute dieser Neuerung an, die zu jeder Zeit und an jedem Ort seitens der Imame missbilligt (und angeprangert) wurde.

Die ausführliche Darlegung der Anprangerung dieser Neuerung erfolgte bereits auf unserer Website in Antwort auf die Frage Nr. (10070), (13819) und (70317).

Zweitens:
Darauf basierend lässt sich sagen, dass alles, was die Leute speziell an diesem Tag tun (und diesen so absondern) als verbotene Taten und Neuerung angesehen wird, weil sie damit etwas in unserer islamischen Gesetzgebung (Schariˈah) ins Leben rufen möchten, was eine Neuerung darstellt, so wie beispielsweise die Organisation von Feiern, Vorbereitung von Essen etc.

 

Schaikh Al-Fauzan sagte in „Al-Bayanu Li Akhtai fi Baˈd-l-Kutub“ (268-270):
„Die Anordnung aus dem Qurˈan und der Sunnah bezüglich der Befolgung dessen, was Allah und Sein Gesandter angeordnet (anbefohlen) haben und bezüglich des Verbots des Einführens von Neuerungen in die Religion sind deutlich.
Allah -erhaben ist Er- sagte: „Sag: Wenn ihr Allah liebt, dann folgt mir. So liebt euch Allah und vergibt euch eure Sünden. Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“ (Al ˈImran 3:31)

Und Er -segensreich ist Er- sagte: „Folgt dem, was zu euch von eurem Herrn herabgesandt worden ist, und folgt außer Ihm keinen (anderen) Schutzherren! Wie wenig ihr bedenkt!“ (Al-Aˈaraf 7:3)

Und Er -erhaben ist Er- sagte: „Und (Er hat euch anbefohlen:) Dies ist Mein Weg, ein gerader. So folgt ihm! Und folgt nicht den (anderen) Wegen, damit sie euch nicht von Seinem Weg auseinanderführen! Dies hat Er euch anbefohlen, auf das ihr gottesfürchtig werden möget!“ (Al-Anˈam 6:153)

Und der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- sagte: „Wahrlich ist die wahrhaftigste Rede, das Buch Allahs; und die beste Führung ist die Führung Muhammads. Das Übelste der Angelegenheiten sind deren Neuerungen…“

Und er -Allahs Segen und Frieden auf ihm- sagte: „Wer etwas in diese unsere Angelegenheit hineinbringt (bzw. erfindet/einführt), was wir nicht anbefohlen haben, so wird es zurückgewiesen (abgelehnt).“ Und in der Version von Imam Muslim heißt es: „Wer eine Tat verübt, die wir nicht angeordnet haben, so wird diese zurückgewiesen.“

Zu den zu missbilligenden Neuerungen, welche die Muslime ins Leben gerufen haben, gehört das Feiern des Geburtstags des Propheten im Monat „Rabiˈuni-l-Awwal“.

Diesbezüglich lassen sie sich in verschiedene Kategorien einteilen:

Manche von den Leuten nehmen diesen Tag allein zum Anlass, um sich zu versammeln, die Geschichte der Geburt (des Propheten) zu lesen oder eine Ansprache (Vortrag) zu halten und religiöse Loblieder (Qasidah) bei diesem Anlass vorzutragen.

Unter ihnen gibt es auch welche, die Essen, Süßes etc. vorbereiten und es den Anwesenden (bzw. Teilnehmern) anbieten.

Es gibt andere, die sich auf das Erwähnte nicht beschränken, sondern dieses Zusammenkommen mit verbotenen und verwerflichen Dingen füllen, wie mit Vermischung von Männern und Frauen, mit Tanzen und Singen oder mit dem Begehen von götzendienlichen Handlungen (Schirk), wie das Erbitten um Hilfe des Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm-, sein Rufen und das Ersuchen von seiner Unterstützung gegen die Feinde etc.

Dieses (Feiern) ist in all seinen verschiedenen Formen und verschiedenen Absichten der Täter zweifelsohne eine erfundene, verbotene Neuerung, die lange nach den ersten Generationen aufgekommen ist.

Der erste, der sie Neuerung eingeführt hat, war Al-Mudhafar Abu Saˈid Kaukaburi, der König von Irbil (Arbil), zum Ende des sechsten oder zum Anfang des siebten Jahrhunderts nach der Hijrah. Dies erwähnten Historiker wie Ibn Kathir, Ibn Khalqan und andere.

Abu Schamah sagte: „Der erste, der das in Mosul zu tun pflegte, war Schaikh ˈUmar Ibn Muhammad Al-Mulla, einer der bekannten rechtschaffenen Menschen und der Herrscher von Irbil, wobei andere seinem Beispiel folgten.

Al-Hafith Ibn Kathir sagte in „Al-Bidayah“ (13/137), in seiner Biographie von Abu Saˈid Kaukaburi: „Er pflegte es, die edle Geburt (des Propheten) (Al-Mawlid) im Monat Rabiˈuni-l-Awwal zu veranstalten und groß zu feiern… As-Sabt sagte: Manche, die bei diesen Feierlichkeiten des Königs zum Anlass des Mawlid, anwesend waren erzählten, dass an manch einer Feierlichkeit 5000 gebratene Köpfe serviert wurden, 10000 Hähnchen, 100000 Schüsseln und 30000 Platten mit Süßem… Vom Mittag bis zum Morgenanbruch hörte er (dem Gesang) der Sufis (Mystikern) zu und tanzte sogar selbst mit ihnen.“ [Ende des Zitats]

Ibn Khalqan sagte in „Wafiyatul-l-Aˈayan“ (2/274): „Mit dem Anbruch des Monats Safar, würden sie dann die Kuppeln mit allmöglichen, üppigen Schmuck verschönern. Und in jeder Kuppel würde sich eine Gruppe von Sängern, Puppenspielern und Musikern befinden. Und sie würden dabei kein Kuppeldach auslassen, ohne dass sie dort eine Gruppe (solcher Leute) dort einsetzen.“ [Ende des Zitats]

Das Meiste, womit die Neuerer an diesem Tag verherrlichen und beleben, ist die Zubereitung von Essen in verschiedenster Form und Sorte, seine Verteilung und das Einladen der Leute dazu. Wenn der Muslim sich an dieser Tat beteiligt, von ihrem Essen verzehrt und mit ihnen am Tisch sitzt, so hat er sich zweifelsohne an der Belebung dieser Neuerung beteiligt, und sie damit bei ihrer Durchsetzung (Organisation) unterstützt. Allah -erhaben ist Er- sagte dabei: „Und helft einander zur Güte und Gottesfurcht, aber helft einander nicht zur Sünde und feindseligem Vorgehen, und fürchtet Allah! Allah ist streng im Bestrafen.“ (Al-Maidah 5:3)

Aus diesem Grund haben die Leute des Wissens in ihren Rechtsurteilen das Verbot des Verzehrs vom Essen ausgesprochen, das an diesem (bestimmten) Tag sowie an anderen erfundenen Festtagen angeboten (serviert) wird.

 

Schaikh Ibn Baz -möge Allah ihm barmherzig sein- wurde nach dem Urteil der Schlachtopfer gefragt, die zum Festtag der Geburt des Propheten (Mawlid) dargeboten werden, worauf er -möge Allah ihm barmherzig sein- erwiderte:
„Wenn das für denjenigen, dessen Geburtstag gefeiert wird, dargeboten wurde, so stellt es gewiss großen Götzendienst (Schirk) dar.  Wenn es nur zum Essen geschlachtet wurde, so ist das unproblematisch. Es sollte jedoch nicht davon verzehrt werden, und der Muslim sollte als Missbilligung ihrer Tat in Wort und Handlung nicht daran teilnehmen, außer dass er die Gelegenheit nutzt um ihnen Ratschläge zu geben (und sie zu belehren), ohne dabei mit ihnen zu speisen etc.“ [Ende des Zitats aus „Majmuˈu-l-Fatawa“ (9/74)]

Auf unserer Website wurden bereits einige Rechtsurteile diesbezüglich angeführt, so siehe die Antwort auf die Frage Nr. (7051) und (9485).

Und Allah weiß es am besten.

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