Dienstag 3 Rabii' Ath-Thaany 1440 - 11 Dezember 2018
German

Das Befinden der Muslime im Ramadan

Frage

Welche Worte würden Sie anlässlich des Beginns des Monats Ramadan an die Muslime richten?

Inhalt der Antwort

Alles Lob gebührt Allah.

Allah -erhaben ist Er- sagte:
„Der Monat Ramadan (ist es), in dem der Qurˈan als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch während dieses Monats anwesend ist, der soll ihn fasten, wer jedoch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, eine (gleiche) Anzahl von anderen Tagen (fasten). Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis, - damit ihr die Anzahl vollendet und Allah als den Größten preist, dafür, dass Er euch rechtgeleitet hat, auf dass ihr dankbar sein möget.“ [Al-Baqara 2:185]

Dieser gesegnete Monat bietet eine außerordentliche Gelegenheit, um Gutes zu tun, Segen zu erlangen, gottgefällige Handlungen (ˈIbadah) und Gehorsam auszuüben.

Es ist ein gewaltiger Monat, eine edle Zeitspanne. Es ist ein Monat in dem die (Belohnung für die) guten Taten vervielfacht wird und die schlechten Taten schwerer ins Gewicht fallen. In ihm werden die Tore des Paradieses geöffnet, die Tore des Höllenfeuers geschlossen und die Reue der Sünder und Schlechtes Tuenden angenommen.

Ihr sollt Ihm -erhaben ist Er- daher für die Gunst danken, die Er euch mit der Jahreszeit des Guten und des Segens erwiesen hat, sowie für die Mittel zur reichhaltigen Fülle des Guten und vielfältiger Wohltaten. Macht das Beste aus dieser edlen und gesegneten Zeit, indem ihr sie in Verrichtung gottgefälliger Taten verbringt und Verbotenes unterlässt. So werdet ihr ein gutes Leben (im Diesseits) erlangen und nach dem Tod glücklich sein.

Für den wahrhaftigen Gläubigen ist jeder Monat, gar sein ganzes Leben, eine Zeit gottgefälliger Taten, eine Zeit für ˈIbadah, nur mit dem Unterschied, dass er sich im gesegneten Monat Ramadan verstärkt dem Guten widmet, sein Herz sich noch energischer der Ausübung gottgefälliger Taten hingibt und an seinen Herrn -gepriesen ist Er und erhaben- wendet. Zur Großzügigkeit und Freigebigkeit unseres Herrn gehört es, dass Er den fastenden Gläubigen in dieser Situation das Privileg zuteil werden lässt, den Lohn für ihre guten Handlungen zu vervielfachen. Er gibt ihnen reichlich und entlohnt sie ausgiebig für die guten Taten.

Die Zeit vergeht schnell.

Diese Tage ziehen eilends vorüber, wie ein Wimpernzucken. Gerade haben wir den Ramadan willkommen geheißen und schon verabschieden wir ihn. Und dann wieder nur eine kurze Weile später heißen wir den Ramadan erneut willkommen. Daher sollen wir uns in diesem gewaltigen Monat eilen gute Taten zu verrichten und sollten bemüht sein ihn mit dem auszufüllen, womit Allah zufrieden ist und was uns am Tage, an dem wir Ihn treffen, zur Freude wird.

Wie bereiten wir uns nun für den Ramadan vor?

Die Vorbereitung für den Ramadan geschieht indem wir uns unserer Unzulänglichkeiten bezüglich der Verwirklichung der zwei Glaubensbekundungen (Schahadatayn) bewusst werden und mit uns selbst ins Gericht gehen, sowie bezüglich der Vernachlässigung der Verpflichtungen und wegen der Gelüste und Scheinargumente, denen wir hätten aus dem Wegen gehen können, es jedoch womöglich nicht getan haben etc.

Der Diener/Muslim sollte daher sein Verhalten und Benehmen soweit korrigieren und formen, dass er sich im Ramadan auf einer hohen Stufe des Glaubens (Iman) befindet… Der Glaube (Iman) steigt und sinkt. Er steigt (und wird stärker) mit Verrichtung guter Taten und sinkt (und wird abgeschwächt) durch Verrichtung schlechter Taten (Ungehorsamkeiten). Die allererste gehorsame Tat, welche der Diener verwirklichen muss, ist die Verwirklichung der Anbetung Allahs, einzig und allein. Dabei muss er verinnerlichen, dass niemand der Anbetung würdig ist, außer Allah. So widmet er alle verschiedenen Formen der Anbetung einzig und allein Allah, und gesellt Ihm niemanden in der Anbetung bei. Desweiteren muss jeder die Gewissheit darüber haben, dass das, was uns ereilt hat, uns nicht hätte verfehlen können, und das, was uns verfehlt hat, uns nicht hätte ereilen können, und dass alles entsprechend der Vorherbestimmung abläuft.

Wir müssen alles meiden, was der Verwirklichung der zwei Glaubensbekundungen widerspricht, und dieses durch das Sich-Fernhalten von Neuerungen und erfundenen Dingen, die der Religion zugeschrieben werden. Dazu gehört auch die Verwirklichung von „Al-Wala wa Al-Bara“, indem wir die Gläubigen zu Freunden nehmen. Wir sollten dem Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- folgen und an seiner Sunnah festhalten, sowie an der Sunnah der rechtgeleiteten Kalifen nach ihm. Wir sollen die Sunnah lieben, sowie jene, die an ihr festhalten, ungeachtet dessen, wo sie sich aufhalten mögen und welche Hautfarbe oder Nationalität sie haben mögen.

Nachdem wir das verinnerlicht haben, sollten wir mit uns selbst ins Gericht gehen und uns unserer Unzulänglichkeiten, Mängel und Nachlässigkeit bezüglich unserer gottgefälligen Handlungen bewusst werden, der Verrichtung der Gebete in der Gemeinschaft, dem Gedenken Allahs, der Rechte gegenüber der Nachbarn, Blutsverwandten und Muslimen, der Verbreitung des Friedensgrußes (Salam), des Gebietens vom Guten und Verbietens vom Verwerflichen, des eindringlichen Empfehlens der Wahrheit und der Standhaftigkeit dabei, sowie der Standhaftigkeit bei der Unterlassung verwerflicher Taten und Verrichtung guter Taten, und der Akzeptanz der Vorherbestimmung Allahs.

Danach sollten wir Bilanz ziehen und mit unseren Sünden und der Befolgung der Gelüste abrechnen, indem wir davon ablassen und aufhören, sei es eine kleine Sünde oder eine große, eine Sünde mit dem Auge, oder in Form vom Schauen auf etwas, was Allah verboten hat, das Hören von Musikinstrumenten, das Schreiten zu etwas, womit Allah nicht zufrieden ist, oder dass man mit den Händen etwas tut, womit Allah nicht zufrieden ist, oder dass man das verzehrt, was Allah verboten hat, wie den Zinswucher (Riba), Bestechung oder andere Formen des Aneignens fremden Vermögens auf ungerechte Art und Weise.

Wir müssen uns vor die Augen führen, dass Allah Seine Hand am Tage ausstreckt, damit sich, wer in der Nacht gesündigt hat, Ihm reuig zuwendet, und Er streckt Seine Hand des Nachts aus, damit sich, wer am Tag gesündigt hat, Ihm reuig zuwendet.

Allah -gepriesen ist Er- sagte:

„Und beeilt euch um Vergebung von eurem Herrn und (um) einen (Paradies)garten, dessen Breite (wie) die Himmel und die Erde ist. Er ist für die Gottesfürchtigen bereitet, die in Freude und Leid ausgeben und ihren Grimm zurückhalten und den Menschen verzeihen. Und Allah liebt die Gutes Tuenden und diejenigen, die, wenn sie eine Abscheulichkeit begangen oder sich selbst Unrecht zugefügt haben, Allahs gedenken und dann für ihre Sünden um Vergebung bitten - und wer sollte die Sünden vergeben außer Allah? - und (die) nicht auf dem beharren, was sie getan haben, wo sie doch wissen. Der Lohn jener ist Vergebung von ihrem Herrn und Gärten, durcheilt von Bächen, ewig darin zu bleiben. Und wie trefflich ist der Lohn derjenigen, die (gut) handeln!“

[Ali Imran 3:136]

Und Allah -erhaben ist Er- sagte:
„Sag: O Meine Diener, die ihr gegen euch selbst maßlos gewesen seid, verliert nicht die Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit. Gewiss, Allah vergibt die Sünden alle. Er ist ja der Allvergebende und Barmherzige.“ [Az-Zumar 39:53]

Und Er -gepriesen ist Er und erhaben- sagte:
„Und wer etwas Böses tut oder sich selbst Unrecht zufügt und hierauf Allah um Vergebung bittet, wird Allah Allvergebend und Barmherzig finden.“ [An-Nisa 4:110]

Mit dieser Selbstabrechnung, der Rückkehr zu Allah in Reue (Taubah) und dem Bitten um Vergebung (Istighfar) müssen wir den Ramadan willkommen heißen.

„Der Scharfsinnige/Intelligente ist derjenige, der mit sich selbst ins Gericht zieht und für das Leben nach dem Tod arbeitet. Der Unfähige ist derjenige, der seine Seele ihren Gelüsten überlässt, sich falsche Hoffnungen macht und die Reue aufschiebt.“

[Überliefert von At-Tirmidhi mit einer gesunden Überlieferungskette (Sanad Sahih). Siehe „Scharh Riyad As-Salihin“ von Schaikh Ibn Al-ˈUthaimin]

Der Monat Ramadan ist ein Monat der Errungenschaften und Profite. Der gewandte Händler nutzt diese Saison (des Guten) um seinen Profit zu steigern. Daher solltet ihr diesen Monat ausnutzen, indem ihr viele gottgefällige Taten ausübt, euch vermehrt dem Gebet und der Rezitation des Qurˈans widmet, den Menschen Vergebung/Nachsicht entgegen bringt, sowie gütig zu anderen seid und für die Armen/Bedürftigen spendet.

 „Im Monat Ramadan werden die Tore des Paradieses geöffnet, die Tore des Feuers geschlossen, die Teufel angekettet und ein Rufer wird in jeder Nacht rufen: ˈO Gutes Begehrender, schreite voran. O Schlechtes Begehrender, halte dich zurück.ˈ“ [Teil eines Hadiths, überliefert von At-Tirmidhi und von Schaikh Al-Albani als authentisch (Sahih) eingestuft]

Seid daher Allahs Diener, Leute des Guten, Folger eurer tugendhaften Altvorderen. Folgt der Rechtleitung der Sunnah eures Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm-, so dass ihr den Ramadan verabschiedet, während eure Sünden vergeben wurden und eure guten Taten angenommen.

Ihr sollt wissen, dass der Monat Ramadan der beste Monat ist:
Ibn Al-Qayyim -möge Allah ihm barmherzig sein- sagte:
„Und dazu (sprich zu den Privilegien, die eine Schöpfung Allahs gegenüber der anderen genießt) gehört das Privileg und der Vorzug des Monats Ramadan vor restlichen Monaten, sowie der Vorzug seiner letzten zehn Nächte vor anderen Nächten.“ [Zitat aus „Zad Al-ˈMaˈad“ 1/56]

Dieser Monat wurde gegenüber anderen mit vier Dingen bevorzugt/ausgezeichnet:
Erstens:
In ihm befindet sich die beste Nacht des Jahres, die Nacht der Bestimmung (Laylatu Al-Qadr). Allah -erhaben ist Er- sagte: „Wir haben ihn ja in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt. Und was lässt dich wissen, was die Nacht der Bestimmung ist? Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate. Es kommen die Engel und der Geist in ihr mit der Erlaubnis ihres Herrn mit jeder Angelegenheit herab. Frieden ist sie bis zum Anbruch der Morgendämmerung.“ [Al-Qadr 97:1-5]

Die Anbetung (sprich eine gottgefällige Handlung, ˈIbadah) in dieser Nacht ist besser als eine Anbetung von tausend Monaten.

Zweitens:
In ihr wurde das beste Buch dem besten Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- herabgesandt. Allah -erhaben ist Er- sagte: „Der Monat Ramadan (ist es), in dem der Qurˈan als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung.“ [Al-Baqara 2:185]

Und Er -gepriesen ist Er- sagte: „Wir haben es wahrlich in einer gesegneten Nacht herabgesandt - Wir haben ja (die Menschen) immer wieder gewarnt -, in der jede weise Angelegenheit einzeln entschieden wird als eine Angelegenheit von Uns aus - Wir haben ja immer wieder (Warner) gesandt -…“ [Ad-Dukhan 44:3-5]

Es überlieferte Ahmad, sowie At-Tabarani in seinem „Muˈjam Al-Kabir“ von Wathila Ibn Al-Asqaˈ -möge Allah zufrieden mit ihm sein-, dass dieser sagte: „Der Gesandte Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- sagte: „Die Blätter (Suhuf) von Ibrahim wurden in der ersten Nacht des Monats Ramadan herabgesandt, die Tora (Taurah) wurde am sechsten Tag des Ramadan herabgesandt, das Evangelium (Injil) am dreizehnten, die Psalmen Dawuds (Az-Zabur) am achtzehnten und der Qurˈan wurde am vierundzwanzigsten des Ramadan herabgesandt.“

[Schaikh Al-Albani hat ihn als authentisch (Hasan) in „As-Silsilah As-Sahihah“ (1575) eingestuft]

Drittens:
In diesem Monat werden die Tore des Paradieses geöffnet, die Tore des Höllenfeuers geschlossen und die Teufel in Ketten gelegt:

Von Abu Huraira -möge Allah zufrieden mit ihm sein- wurde überliefert, dass der Gesandte Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- sagte: „Wenn der Ramadan beginnt, werden die Tore des Himmels geöffnet, die Tore des Höllenfeuers geschlossen und die Satane in Ketten gefesselt.“

[Überliefert von Al-Bukhary und Muslim in Übereinstimmung (Muttafaqun ˈalayhi)]

Und An-Nasai überlieferte von Abu Huraira, dass der Gesandte Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- sagte:

„Wenn der Ramadan beginnt werden die Tore der Barmherzigkeit geöffnet, die Tore des Höllenfeuers geschlossen und die Teufel in Ketten gelegt.“

[Al-Albani hat ihn in „Sahih Al-Jamiˈ“ (471) als authentisch (Sahih) eingestuft]

At-Tirmidhi, Ibn Majah und Ibn Khuzaymah überlieferten in einer Version:

„Mit dem Eintritt der ersten Nacht des Monats Ramadan werden die Teufel und die ungehorsamen/widerspenstigen Jinn in Ketten gefesselt. Die Tore des Feuers werden geschlossen, so dass keines offen bleibt, und die Tore des Paradieses werden geöffnet, so dass keines geschlossen bleibt. Ein Rufer wird (dann) rufen: ˈO Gutes Begehrender, schreite voran. O Schlechtes Begehrender, halte dich zurück.ˈ Und Allah entlässt einige aus dem Höllenfeuer, und dies geschieht jede Nacht.“

[Al-Albani hat ihn in „Sahih Al-Jamiˈ“ (759) als authentisch (Sahih) eingestuft]

Und falls gesagt wird: „Wie kommt es, dass sich beobachten lässt, dass während des Ramadans viel Schlechtes/Verwerfliches und Ungehorsam geschieht? Wären die Teufel in Ketten gelegt worden, so würde das nicht geschehen, oder?“

Die Antwort lautet:

„Nur die schlechten Taten jener, die auf die Bedingungen des Fastens Acht geben und sich an die Verhaltensregeln des Fastens halten, verringern sich. Oder es bedeutet, dass nur ein Teil der Teufel, und zwar die rebellischen und widerspenstigen, in Ketten gelegt werden und nicht alle. Es ist fällt eindeutig auf, dass sich das Schlechte in diesem Monat im Allgemeinen verringert. Diese (abscheulichen )Sachen geschehen im Ramadan weniger als außerhalb. Dass die Teufel gefesselt werden bedingt nicht, dass keine Sünden und Ungehorsamkeiten mehr auftreten, weil diese auch andere Ursachen haben, sprich nicht nur durch die Teufel/Jinn verursacht werden, sondern auch durch die eigenen,üblen Seelen selbst, durch schändliche Gewohnheiten und durch die Teufel von den Menschen.“ [„Al-Fath“ (4/145)]

Viertens:
In diesem Monat werden viele Arten gottgefälliger Handlungen (ˈIbadah) verrichtet, von denen einige nicht in anderen Monaten präsent sind, wie das Fasten, das Gebet in der Nacht, die Speisung, das Sich-Zurückziehen in die Moschee (ˈItikaf), das Spenden und das Rezitieren des Qurˈans.

Wir bitten Allah -den Hohen und Mächtigen- uns die erfolgreiche Ausführung dieser Angelegenheiten zu gewähren, uns beim Fasten, dem Beten in der Nacht, bei der Verrichtung von Gutem und dem Unterlassen von Verwerflichem zu unterstützen. Und Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten.

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