Montag 9 Rabii' Ath-Thaany 1440 - 17 Dezember 2018
German

Fehler, die während der Tawaf auftreten

Frage

Wir bemerken während der Tawaf, dass manche Leute zu Beginn der Tawaf stehen bleiben und die Absicht, die sie für die Tawaf fassen, aussprechen. Ebenso bemerken wir, dass sich manche sehr energisch drängen, damit sie den schwarzen Stein erreichen. Was sagen Sie zu diesen Taten?

Inhalt der Antwort

Alles Lob gebührt Allah.

Diese Handlungen gehören zu den Fehlern, die während der Tawaf geschehen können. Davon gibt es mehrere Arten:

Erstens:

Das Aussprechen der Absicht, wenn man die Tawaf vollziehen will. So siehst du den Pilger, wie er in Richtung des schwarzen Steins steht, wenn er die Tawaf vollziehen will, und sagt: „O Allah, ich fasse die Absicht sieben Runden für die 'Umra die Tawaf zu vollziehen“, oder: „O Allah, ich fasse die Absicht sieben Runden für die Hajj die Tawaf zu vollziehen“, oder: „O Allah, ich fasse die Absicht sieben Runden die Tawaf zu vollziehen, um Dir näher zu kommen.“

Das Aussprechen der Absicht aber ist eine Neuerung. Denn der Gesandte -Allahs Segen und Frieden auf ihm- hat dies noch nie getan und seine Gemeinschaft noch nie dazu aufgefordert. Und jeder der Allah mit einer Sache anbetet, die der Gesandte Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- weder jemals getan noch seine Gemeinschaft dazu aufgefordert hat, der hat in der Religion Allahs etwas neues hinzugefügt, was nicht dazu gehört. Somit ist das Aussprechen der Absicht bei der Tawaf ein Fehler und eine Neuerung. Und so wie es ein Fehler aus Sicht der islamischen Gesetzgebung ist, so ist es auch ein Fehler aus Sicht des Verstandes. Denn was bringt einen dazu die Absicht auszusprechen, obwohl die Absicht zwischen dir und deinem Herrn ist?! Und Allah -gepriesen und erhaben ist Er- weiß was in den Herzen ist und Er weiß, dass du diese Tawaf vollziehen wirst. Und wenn Allah -gepriesen und erhaben ist Er- dies weiß, dann gibt es keinen Bedarf dies den Dienern Allahs zu zeigen.

Und der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- hat schon vor dir die Tawaf vollzogen und die Absicht für seinen Tawaf nicht ausgesprochen. Und die Prophetengefährten haben auch schon vor dir die Tawaf vollzogen und ihre Absicht für ihren Tawaf nicht ausgesprochen. Und dies haben sie auch nicht bei allen anderen Gottesdiensten getan, da es falsch ist.

Zweitens:

Manche Leute drängen sich sehr energisch, wenn es darum geht den schwarzen Stein oder die Yamani-Ecke zu berühren. Sie drängen sich so sehr, dass es schlecht für sie selbst und für Andere ist, sogar bei Frauen. Und vielleicht verführt ihn der Satan so, dass er in seinem Herzen Gelüste verspürt, wenn er diese Frau bei dem Gedränge in diesem engen Ort berührt. Und über den Menschen kann auch die Seele, die zum Übel auffordert, die Macht übernehmen, sodass man diese verwerfliche Sache unter dem Hause Allahs -der Mächtige und Gewaltige- begeht. Und diese Sünde wird noch gewaltiger, je nach dem, an welchem Ort sie vorkommt, auch wenn sie an jedem anderen Ort auch eine Verführung ist.

Dieses starke Gedränge, um den schwarzen Stein oder die Yamani-Ecke zu berühren ist islamisch nicht legitim. Vielmehr wird dies verlangt, wenn du dies in Ruhe bewerkstelligen kannst. Und wenn nicht, dann sollst auf den schwarzen Stein zeigen.

Was die Yamani-Ecke betrifft, so wurde vom Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- nicht überliefert, dass er auf sie zeigt. Außerdem kann man das nicht mit dem schwarzen Stein vergleichen, da der schwarze Stein gewaltiger ist. Und vom schwarzen Stein wurde überliefert, dass der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- auf ihn zeigte.

Und genauso, wie das Gedränge in diesem Fall islamisch nicht legitim ist und man befürchtet, dass man in Versuchung fällt, wenn man sich an einer Frau drängt, so stört es auch dem Herzen und den Gedanken, da man im Gedränge auf jeden Fall Dinge hört, die einem nicht gefallen. So ist man über sich selbst verärgert und zornig, wenn man diesen Platz verlassen hat.

Derjenige, der die Tawaf vollzieht, sollte immer ruhig und gelassen bleiben, damit für die Gehorsamkeit Allahs gegenüber mit dem Herzen anwesend ist. Denn der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- sagte: „Die Tawaf um das Haus, das Laufen zwischen As-Safa und Al-Marwa und das Bewerfen der Jimar wurde gemacht, um das Gedenken Allahs umzusetzen (und zu verrichten).“

Drittens:

Manche Leute glauben, dass die Tawaf ungültig ist, wenn man den schwarzen Stein nicht geküsst hat, und dass das Küssen des schwarzen Steins eine Bedingung für die Gültigkeit der Tawaf ist, und auch für die Gültigkeit der Hajj oder 'Umra. Dies ist falsch und das Küssen des Steins ist eine Sunnah und auch keine eigenständige Sunnah. Vielmehr ist es eine Sunnah (nur) für den, der die Tawaf vollzieht. Und ich kenne keinen Fall, in dem das Küssen des Steins eine Sunnah außerhalb des Tawafs ist. Wenn also das Küssen des schwarzen Steins eine Sunnah und weder eine Pflicht noch eine Bedingung ist, so sagen wir nicht über denjenigen, der den Stein nicht küsst, dass sein Tawaf ungültig oder so mangelhaft ist, dass es eine Sünde ist. Vielmehr ist sein Tawaf gültig und wenn ein starkes Gedränge vorzufinden ist, dann ist es besser auf den Stein zu zeigen, als ihn zu berühren. Denn das ist es, was der Gesandte -Allahs Segen und Frieden auf ihm- beim Gedränge getan hat, und dadurch schützt man sich davor anderen Schaden zuzufügen oder selbst Schaden zu erleiden.

Und wenn uns jemand fragt: „Der Platz, an dem man den Tawaf vollzieht, ist überfüllt, was ist also eure Ansicht: Ist es besser mich zu drängen, damit ich den schwarzen Stein berühren und küssen kann, oder soll ich lieber mit der Hand auf ihn zeigen?“

So antworten wir, dass es besser ist auf ihn zu zeigen. Denn so ist die Sunnah, die vom Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- überliefert wurde. Und die beste Leitung ist die Leitung Muhamamds -Allahs Segen und Frieden auf ihm-.

Viertens:

Das Küssen der Yamani-Ecke. Es wurde vom Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- nicht authentisch überliefert, dass er die Yamani-Ecke geküsst hat. Und wenn ein Gottesdienst nicht vom Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- authentisch überliefert wurde, so ist dieser eine Neuerung und keine Annäherung zu Allah. Demnach soll man die Yamani-Ecke nicht küssen, da dies nicht vom Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- authentisch überliefert wurde. Der Hadith diesbezüglich ist schwach und für eine Argumentation nicht tragbar.

Fünftens:

Wenn manche Leute mit der Hand auf den schwarzen Stein oder der Yamani-Ecke streichen, tun sie dies mit der linken Hand, als würden sie sie geringschätzen. Dies ist falsch, da die rechte Hand edler ist als die Linke. Und die linke Hand wird nur für unschöne Dinge verwendet, wie das Reinigen des Schambereichs, das Reinigen der Nase (von Schleim) o.Ä.. Und Stellen des Küssens und Respekts hingegen werden hingegen mit der rechten Hand berührt.

Sechstens:

Sie glauben, dass man den schwarzen Stein und die Yamani-Ecke berührt, um aus ihnen Segen zu ersuchen. So reiben sie sich an ihnen, um Segen zu erlangen, was ohne Zweifel entgegen der Intention, die dahinter steckt, ist. Denn den schwarzen Stein streicht oder küsst man vielmehr, um Allah zu verherrlichen. Deshalb pflegte der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- zu sagen, wenn er den Stein berührte: „Allahu Akbar (Allah ist größer)!“ Um zu zeigen, dass damit die Verherrlichung Allahs -der Mächtige und Gewaltige- gewollt ist und nicht das Ersuchen von Segen. Aus diesem Grund sagte der Führer der Gläubigen, Umar -möge Allah mit ihm zufrieden sein-, als er den Stein berührte: „Bei Allah, ich weiß, dass du (nur) ein Stein bist. Weder kannst du schaden noch nützen. Doch wenn ich den Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- nicht gesehen hätte, wie er dich geküsst hat, so hätte ich dich nicht geküsst.“

Diese falsche Annahme von den einigen Leuten (dass sie glauben, dass mit dem Berühren der Yamani-Ecke und dem schwarzen Stein das Ersuchen von Segen gemeint ist), hat dazu geführt, dass Einige mit ihrem kleinen Kind kommen, die Ecke oder den Stein mit ihrer Hand reiben und dann auf ihrem Kind mit dieser Hand streichen. Dies ist ein übler Glaube, der verboten werden muss. Den Leuten muss auch dargelegt werden, dass diese Steine einem weder nützen noch schaden und dass mit ihnen die Verherrlichung Allahs -der Mächtige und Gewaltige-, die Aufrechterhaltung des Gedenkens an Ihn und das Befolgen Seines Gesandten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- gewollt ist.

Siebtens:

Manche Leute sprechen für jede Runde (im Tawaf) ein bestimmtes Bittgebet. Dies ist eine Neuerung, die weder vom Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- noch von seinen Gefährten überliefert wurde. So haben weder der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- noch seine Gefährten für keine Runde ein spezielles Bittgebet gesprochen. Höchstens sagte er -Allahs Segen und Frieden auf ihm-, wenn er zwischen der Yamani-Ecke und dem schwarzen Stein war: „Rabbana Atina fi Ad-Dunya hasana wa fi Al-Akhira hasana wa Qina 'Adhaban Nar (Unser Herr, gib uns im Diesseits Gutes und im Jenseits Gutes, und bewahre uns vor der Strafe des (Höllen)feuers!).“

Er -Allahs Segen und Frieden auf ihm- sagte: „Die Tawaf um das Haus, das Laufen zwischen As-Safa und Al-Marwa und das Bewerfen der Jimar wurde gemacht, um das Gedenken Allahs verrichten.“

Diese Neuerungen werde noch fehlerhafter, wenn derjenige, der die Tawaf vollzieht, ein Büchlein mit sich trägt, in dem für jede Runde ein bestimmtes Bittgebet steht. Und er liest aus diesem Buch und weiß nichtmal, was er da liest. Entweder, weil er die arabische Sprache und die Bedeutung nicht versteht. Oder er ist Araber und spricht Arabisch, aber weiß nicht, was er da sagt. Wir haben sogar Einige gehört, wie sie Bittgebete sprachen, die eigentlich klar und deutlich verdreht/verfälscht waren. Wir haben zum Beispiel gehört, wie sie sagten: „Allahumma Aghnini bi Jalalika 'an Haramik.“ Richtig aber ist: „Bi Halalika 'an Haramik.“

Wir haben sogar bei Einigen beobachtet, dass sie aus diesem Büchlein gelesen haben. Und als sie mit einem Bittgebet fertig geworden sind, hörten sie auf und haben für den Rest dieser Runde kein Bittgebet gesprochen. Und wenn die Tawaf-Stelle kurz und die Runde fertig war, noch bevor sie das Bittgebet zu Ende sprechen konnten, brachen sie das Bittgebet ab.

Die Medizin dafür ist, dass wir den Pilgern klar machen, dass man während der Tawaf das Bittgebet sprechen kann, das man will und dass man Allahs -erhaben ist Er- mit dem gedenkt, was man will. Wenn dies den Leuten klargemacht wird, dann würde die Unklarheit/das Problem verschwinden.

Das Urteil über denjenigen, der in diese Neuerungen fällt:

Im Bezug auf diese Dinge, gibt es drei Arten von Menschen:

- Entweder ist man wirklich unwissend und es würde einem nicht in den Sinn kommen, dass dies verboten sei. Man hofft darauf, dass auf dieser Person nichts lastet.

- Oder man weiß davon, macht es absichtlich und geht dabei in die Irre oder führt die Menschen in die Irre. Dieser sündigt ohne Zweifel und auf ihn lastet die Sünde derer, die ihm folgen und ihn als Beispiel nehmen.

- Oder man ist unwissend, aber nimmt es nicht ernst die Gelehrten zu fragen. Man befürchtet, dass dieser sündigt, weil er dies vernachlässigt und nicht danach fragt.

Dies sind die Fehler während der Tawaf, die wir angeführt haben. Wir bitten Allah -gepriesen und erhaben ist Er- darum, dass er unsere Brüder zur Besserung leitet, so dass ihre Tawaf dem entspricht, was vom Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- überliefert wurde. Denn die beste Leitung ist die Leitung Muhammads -Allahs Segen und Frieden auf ihm. Und die Religion lernt man nicht durch Emotionen und Neigungen, vielmehr lernt man sie durch den Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm.

Quelle: Aus: „Dalil Al-Akhtaa' allati yaqa'u fiha Al-Haaj wa Al-Mu'tamir“ von Schaikh Muhammad Ibn 'Uthaimin -möge Allah ihm barmherzig sein-

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