Donnerstag 6 Safar 1442 - 24 September 2020
German

Soll das Tarawih-Gebet alleine oder in der Gemeinschaft gebetet werden? Und ist das vollständige Lesen des Qurans im Ramadan eine Neuerung?

Frage

Ich habe gehört, dass es erwünscht ist, wenn der Muslim das Tarawih-Gebet alleine verrichtet, so wie es der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- tat, bis auf drei Mal. Ist das richtig? Außerdem habe ich gehört, dass es eine Neuerung ist den Quran, im Tarawih-Gebet im Ramadan, vollständig zu rezitieren, denn der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- hat dies nie getan. Ist das richtig?

Inhalt der Antwort

Alles Lob gebührt Allah..

Erstens:

Das Gebet in der Nacht im Ramadan kann man sowohl alleine als auch in der Gemeinschaft verrichten. Es aber in der Gemeinschaft zu verrichten ist besser als es alleine zu tun, denn der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- hat es in mehrere Nächte mit seinen Gefährten in der Gemeinschaft verrichtet.

In den beiden Sahih-Werken wird authentisch überliefert, dass der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- mit seinen Gefährten in mehreren Nächten betete, und als dann die dritte oder vierte Nacht anbrach, ging er nicht zu ihnen hinaus. Als er dann in den Morgen kam, sagte er: „Nichts hat mich daran gehindert zu euch zu kommen, außer, dass ich befürchtet habe, dass es euch zur Pflicht gemacht wird.“ Überliefert von Al-Bukhary (1129). Und im Wortlaut bei Muslim (761) steht: „Jedoch habe ich befürchtet, dass das Gebet in der Nacht euch zur Pflicht wird, und ihr es nicht zu tun vermögt.“

So wurde das Tarawih-Gebet in der Gemeinschaft durch die Sunnah des Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- bestätigt. Der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- erwähnte den Hinderungsgrund, warum er am Gemeinschaftsgebet nicht weiterhin teilnahm. Dieser war, dass er befürchtete, dass es zur Pflicht wird. Diese Befürchtung ist durch den Tod des Gesandten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- verschwunden, denn, als er -Allahs Segen und Frieden auf ihm- starb, ist die Offenbarung abgebrochen und man war sicher, dass es nicht zur Pflicht wird. Und als der Grund verschwunden ist, was die Befürchtung ist, dass es zur Pflicht wird, indem die Offenbarung abgebrochen ist, ist diese Tat somit wieder zur Sunnah geworden.“ Aus „Asch-Scharh Al-Mumti'“, von Schaikh Ibn 'Uthaimin (4/78).

Imam Ibn 'Abdil-Barr -möge Allah ihm barmherzig sein- sagte: „Daraus entnehmen wir, dass das Gebet in der Nacht im Ramadan zu den erwünschten Sunan des Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- gehört, zu denen auch angespornt werden soll. Und es war nicht 'Umar Ibn Al-Khattab, der dies zur Sunnah machte, da er nur das wiederbelebte, was vom Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- geliebt wurde und womit er zufrieden war. Und es nur die Furcht davor, dass es für seine Gemeinschaft zur Pflicht wird, hinderte ihn darin dies weiterhin zu praktizieren, und er war mit den Gläubigen gütig und barmherzig -Allahs Segen und Frieden auf ihm-. Und als 'Umar dies vom Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- wusste, und wusste, dass von den Pflichthandlungen, nach seinem -Allahs Segen und Frieden auf ihm- Tode, weder etwas hinzugefügt noch entfernt wird, belebte er dies unter die Menschen und ordnete es an. Dies geschah im Jahr 4 n.H., und es war eine Sache, die Allah für aufbewahrte und für die Er ihn bevorzugte.“ Aus „At-Tamhid“ (8/108, 109).

Nach dem Tod des Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- beteten es seine Gefährten sowohl in Gemeinschaften als auch alleine, bis 'Umar -möge Allah mit ihm zufrieden sein- sie unter einem Imam vereinte/versammelte.

'Abdurrahman Ibn 'Abdil-Qari berichtete: „Ich ging mit 'Umar Ibn Al-Khattab -möge Allah mit ihm zufrieden sein- in einer Nacht im Ramadan zur Moschee. Da waren die Menschen verteilt in Gruppen. Der eine betete alleine und der andere betete für eine Gruppe vor. Daraufhin sagte 'Umar: „Ich bin der Ansicht, dass es besser wäre, wenn ich diese unter einem Rezitatoren versammeln würde.“ Daraufhin beschloss er dies und versammelte sie unter Ubayy Ibn Ka'b. Dann ging ich mit ihm in einer anderen Nacht hinaus und die Menschen beteten hinter einem Rezitator. 'Umar sagte: „Was für eine schöne Neuerung diese ist, doch der Teil der Nacht, in dem sie schlafen (gemeint ist der letzte Teil der Nacht) ist besser, als der, in dem sie beten.“ Und sie pflegten im ersten Teil der Nacht zu beten.“ Überliefert von Al-Bukhary (1906).

Schaikh Al-Islam Ibn Taymiyyah sagte, als er diejenigen widerlegte, die mit der Aussage Umars: „Was für eine schöne Neuerung“, argumentierten, dass die Neuerung erlaubt sei: „Was das Gebet in der Nacht im Ramadan angeht, so hat es der Gesandte Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- für seine Gemeinschaft zur Sunnah gemacht. Er betete es mit ihnen in mehreren Nächten in der Gemeinschaft. Zu seiner Zeit pflegten sie es in der Gemeinschaft und alleine zu beten, jedoch haben sie sich nicht stets an einer Gemeinschaft (im Gebet) gehalten, damit das Tarawih-Gebet für sie nicht zur Pflicht wird. Als der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- aber starb, hat sich die islamische Gesetzgebung gefestigt. Und als 'Umar -möge Allah mit ihm zufrieden sein- sie unter einem Imam versammelte. Dieser war Ubayy Ibn Ka'b, welcher die Leute auf Befehl von 'Umar Ibn Al-Khattab -möge Allah mit ihm zufrieden sein- versammelte. Und 'Umar -möge Allah mit ihm zufrieden sein- gehörte zu den richtgeleiteten Kalifen, über die der Prophet -Allahs Segen und Frieden auf ihm- sagte: „Haltet euch an meine Sunnah und an die Sunnah der rechtgeleiteten Kalifen nach mir! Beißt daran mit euren Eckzähnen!“ Denn sie waren stärker, und das, was er tat, war eine Sunnah, jedoch sagte er: „Was für eine schöne Neuerung.“ Dies war eine Neuerung im linguistischen Sinne, da sie das taten, was nicht zu Lebzeiten des Gesandten Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- zu tun pflegten. Gemeint ist solch eine Versammlung, was in der islamischen Gesetzgebung eine Sunnah war.“ Aus „Majmu' Al-Fatawa“ (22/234, 235).

Für mehr, siehe die Frage Nr. 21740 und Nr. 45781.

Zweitens:

Das vollständige Rezitieren des Quran im Ramadan, im Gebet und außerhalb dessen, ist eine für den Täter lobenswerte Angelegenheit. Jibril -der Friede sei auf ihm- pflegte den Quran mit dem Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- in jedem Ramadan zu studieren. Und in dem Jahr, in dem er starb, tat er dies zweimal.

Dies wurde bereits in der Antwort auf die Frage Nr. 66504 dargelegt.

Und Allah weiß es am besten.

Quelle: Islam Q&A